Förderzentrum für Jugend und Soziales

Kinder in Bewegung bringen

NACHGEHAKT: Seit zwei Jahren gibt es das Förderzentrum für Jugend und Soziales . Ballschule, Fußballfördertraining und betreutes Spielen werden mittlerweile rege nachgefragt, und ab Herbst wird Kindern auch der Kontakt zu Tieren ermöglicht. Eine ehrenamtliche Erfolgsgeschichte.

Zwischen Gnadenhof und Fußball besteht laut Stiftung Jugendfonds SC Bobenheim-Roxheim ein Zusammenhang - Foto BALZARIN, DAPD

Was haben die Esel im Wormser Gnadenhof von Carry Lerch mit Fußball zu tun? Für das Förderzentrum gehört sowohl der Umgang mit Tieren als auch Sport zu einer gesunden Entwicklung von Kindern. Und die ist oberstes Ziel der Initiatoren. (Fotos: BALZARIN; DAPD)

„Wir sind angekommen und haben mehr Menschen mit ins Boot geholt, als uns zugetraut wurde“, sagt Klaus Johannes auf die Frage, wie zwei Jahre nach der Gründung des Förderzentrums für Jugend und Soziales sein Fazit ausfällt. Was anfänglich von der Öffentlichkeit skeptisch beurteilt wurde und zwischendurch im Sportclub Bobenheim-Roxheim für Unruhe und Streit gesorgt hatte, ist zu einem Erfolgsprojekt geworden, dessen Idee noch lange nicht ausgereizt ist, die aber langsam an personelle Grenzen stößt.

Laut Johannes setzen derzeit mehr als 50 ehrenamtliche Übungsleiter für das Förderzentrum und sein Pendant in Ingelheim an über 30 Standorten in Rheinland-Pfalz das Konzept der Ballschule um und bringen damit in Kindergärten, Grundschulen und Vereinen wöchentlich 1400 Kinder in Bewegung. In Bobenheim-Roxheim beispielsweise stieg die Zahl der an der Ballschule teilnehmenden Kinder von acht im Januar 2010 auf aktuell 56. Mitarbeiter von Kitas und Schulen, die per Vertrag Kooperationspartner werden, können sich ebenso wie Ehrenamtliche mit finanzieller Unterstützung der Stiftung weiterbilden.

Keimzelle des Förderzentrums ist das Zusatztraining für junge Fußballtalente.

Neben der Ballschule ist das Fördertraining für Fußballjunioren eine wichtige Säule des Förderzentrums und sozusagen dessen Keimzelle. Die vor etwa zehn Jahren geborene Idee, vereinsübergreifend besonders talentierte Spieler in den Nachwuchsmannschaften zu fördern, sei nach und nach um soziale Aspekte erweitert worden, erläutern Harald Stark und Klaus Johannes. Der Wormser und der ehemalige Profi-Fußballer aus Mauchenheim hatten sich durch die Zusammenarbeit von SC und Hassia Bingen beim Fördertraining kennengelernt und zusammen mit Bernd Jung aus Bobenheim-Roxheim die Idee eines Förderzentrums entwickelt – mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche in den Bereichen Sport, Schule und Soziales zu unterstützen.

Durch gesellschaftliche Entwicklungen sahen sie sich dazu herausgefordert. Zum Beispiel durch den Umstand, dass viele Eltern, besonders Alleinerziehende, auf Nachmittagsbetreuung ihrer Kinder angewiesen sind. Deshalb bietet das Förderzentrum beispielsweise betreutes Spielen nach der Schule bis zum Trainingsbeginn an.

Durch die kürzlich besiegelte Kooperation mit dem Tiergnadenhof High Chaparrel in Worms ist ein weiterer Baustein der Jugendförderung hinzugekommen, die ja auch soziale Aspekte in den Blick nehmen will. Kindergartengruppen können bald ein- bis zweimal im Jahr den Gnadenhof von Carry Lerch besuchen und erhalten dort Impulse für den Umgang mit Tieren. Gern würden die drei Förderzentrumsleiter noch mehr im sozialen Bereich tätig sein, zum Beispiel in der schulischen Unterstützung von Kindern, doch dafür werfe die Stiftung nicht genug Gewinn ab, bedauert Bernd Jung.

Er ist Initiator und Vorstandsvorsitzender der Stiftung zur Jugendförderung, die 1996 mit einem Startkapital von 300 D-Mark ihren Anfang nahm. Durch weitere Spenden sei das Stiftungsvermögen gewachsen und gut angelegt worden. Mittlerweile, so Jung, seien die Wertpapiere zirka 450.000 Euro wert, aus Dividenden und Zinserträgen würden der Sport  unterstützt und die Aktivitäten des Förderzentrums finanziert. Oberstes Prinzip sei, jedem Kind die Teilhabe am Sport zu ermöglichen.

Im Hinterkopf haben Johannes, Stark und Jung aber auch die Zukunft der Sportvereine. Kinder zur Bewegung zu bringen, sei die nachhaltigste Form der  Nachwuchsförderung, ist Klaus Johannes überzeugt. Dies müsse aber über Vereinsgrenzen hinweg passieren. „Ohne Kooperationen zwischen Vereinen, aber auch mit Institutionen und Einzelpersonen geht das nicht.“ Jugendliche sollen darüber hinaus motiviert und unterstützt werden, Ehrenämter zu übernehmen, sich beispielsweise zum Trainer oder Schiedsrichter ausbilden zu lassen.

Stiftung und Förderzentrum haben in den vergangenen zwei Jahren nicht viel Aufhebens um ihr Engagement gemacht. Verborgen blieb es aber nicht. Beim Landessportbund stehen die Aktivitäten auf der Zuschussliste, die Dietmar-Hopp-Stiftung hat einen Kleinbus gespendet und möglicherweise ergattert die Stiftung demnächst noch einen Preis bei der Aktion „Sterne des Sports“ der RV Bank Rhein-Haardt, die soziales Engagement in Sportvereinen würdigen will. Beworben hat sich die Stiftung zumindest.

Die große Nachfrage nach den Angeboten scheint dem Förderzentrum Recht zu geben, doch das bringt auch Probleme. „Wir müssen uns allmählich Gedanken machen, wie wir dieses Interesse zufriedenstellen können“, sagt Harald Stark. Vonnöten seien mehr Ehrenamtliche, die sich beispielsweise als Ballschultrainer zur Verfügung stellen. „Wir würden uns mehr Engagement von Senioren wünschen.“

Von den großen und berühmten Vereinen ist Klaus Johannes enttäuscht. Keiner habe bisher Unterstützung angeboten, obwohl doch kleine Clubs die Grundlagen für spätere Profisportler legten. „Wir haben uns alles sogar gegen Widerstände hart erarbeitet“, sagt er. „Dafür können wir jetzt sagen: Dieses Projekt macht bundesweit außer uns keiner. Es sollte möglichst viele Nachahmer finden.“ (ww)


STICHWORT Ballschule

Die Ballschule Heidelberg wurde 1998 als Kooperationsprojekt des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg, der FT Kirchheim  und lokalen Grundschulen gegründet, um Kindern zwischen fünf und acht Jahren das ABC des Ballspielens beizubringen. Dahinter steckt die Beobachtung, dass Kinder nur noch selten in Straßen, Parks oder auf Bolzplätzen mit dem Ball spielen und die Entwicklungsstörungen im motorischen, emotionalen und sozialen Bereich zunehmen.

In der Ballschule können sich die Grundschüler spielerisch und unter Anleitung in verschiedenen Ballsportarten ausprobieren, ihre speziellen Talente entdecken und die soziale Einbindung in eine Sportgruppe erleben. Das Projekt wird vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Das Förderzentrum Bobenheim-Roxheim ist einer von bundesweit sieben Stützpunkten der Heidelberger Ballschule und hat Aussichten demnächst zum „Zentrum“ aufzusteigen, um selbst Trainer auszubilden und neue Stützpunkte aufzubauen. (ww)


Quelle:

DIE RHEINPFALZ
Ausgabe 169, 23. Juli 2011

Artikel in der RHEINPFALZ als PDF

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