Förderzentrum für Jugend und Soziales

Beispiel

Klein, effizient, ambulant

Bobenheim-Roxheim: Die Bernd-Jung-Stiftung ist jetzt ein staatlich anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Genauer gesagt die Kidz-Jugendhilfe gGmbH, die im Sommer aus dem bisherigen Aufgabenfeld der Stiftung hervorgegangen ist. Im Auftrag der Jugendämter sind zehn fest angestellte Fachleute sozialpädagogisch tätig.
Integrationshilfe für beeinträchtige Kinder und Jugendliche ist eine der neuen Aufgaben der Bernd-Jung-Stiftung.Integrationshilfe für beeinträchtige Kinder und Jugendliche ist eine der neuen sozialpädagogischen Aufgaben der Bernd-Jung-Stiftung. Symbolfoto DPA

Von Waltraud Werdelis

Die Entwicklung der Stiftung, die der Bobenheim-Roxheimer Bernd Jung 1996 mit einem Startkapital von nur 300 D-Mark gründete, lässt einen staunen. Das Stiftungsvermögen ist heute laut Jung mehrere Hunderttausend Euro wert, und das 2009 ins Leben gerufene Förderzentrum Jugend und Soziales macht so viele Angebote, dass man sie kaum aufzählen kann. Beispielhaft seien hier genannt: Behindertensport, Ballschule, Babymassage, Praktikumsbörse, Gewaltprävention und ein Mehrgenerationentreff im Bobenheim-Roxheimer Caritas-Pflegeheim.

Die Liste der Kooperationspartner ist ebenfalls lang, neben Kindergärten, Schulen und Vereinen gehören unter anderem Volkshochschule, Verbraucherzentrale, Arbeiter-Samariter-Bund, IKK Südwest und die Fußballakademie Kaiserslautern zum Netzwerk des Förderzentrums.

Harald Stark hat anfangs ehrenamtlich die Geschäfte geführt und ist seit fünf Jahren hauptamtlich für die Bernd-Jung-Stiftung tätig. Er betont den ganzheitlichen Aspekt der Arbeit unter dem Dach des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Es gehe nicht mehr nur um Sport wie in den Anfängen des Förderzentrums vor zehn Jahren, sondern auch um Bildung, Gesundheit, Ernährung, Integration.

„Und wir helfen gern Vereinen, die in der Jugendarbeit ebenfalls ein ganzheitliches Konzept verfolgen“, sagt Stark und nennt als Beispiel die Jugendfeuerwehr in Bobenheim-Roxheim, die ihren Mitgliedern mehr bieten wolle als nur die Feuerwehrausbildung. Die Bernd-Jung-Stiftung kann solchen Vereinen Kooperationspartner vermitteln. „Unser Netzwerk erweitert sich ständig“, sagt Stark.

Ein Dauerbrenner sind die Präventions- und Selbstsicherheitskurse, für die Harald Stark und Bernd Jung den darauf spezialisierten Verein Sesista ins Boot geholt haben. „Da gibt es eine riesige Nachfrage“, berichtet Stark. Und zwar nicht nur von Eltern ängstlicher und unsicherer Kinder, sondern auch von Eltern, denen die Aggressivität ihres Sprösslings Sorgen bereitet. „Mit der Zeit“, sagt Bernd Jung, „haben wir bei vielen jungen Teilnehmern Defizite bemerkt, die wir in unseren Kursen gar nicht bewältigen können.“ So sei die Idee entstanden, sozialpädagogische Arbeit zu leisten. 2018 schon hatte das Jugendamt des Rhein-Pfalz-Kreises die Stiftung als Träger der Jugendhilfe anerkannt. 2019 folgte der Umzug ins Gewerbegebiet In den Fuchslöchern und die Gründung von Kidz als gemeinnützige GmbH, deren alleiniger Gesellschafter die Bernd-Jung-Stiftung ist und die inzwischen auch von der Stadt Frankenthal Jugendhilfefälle übertragen bekommt.

„Wir arbeiten nur ambulant und wollen klein und effizient bleiben“, sagt Harald Stark über das Konzept, das unter der Leitung der Diplom-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin Silke Trobisch umgesetzt wird und die Einbeziehung des gesamten Systems Familie vorsieht. So leistet Kidz gemäß dem Sozialgesetzbuch VIII Integrationshilfe, sozialpädagogische Familienhilfe, Erziehungsbeistandschaft und soziale Gruppenarbeit.

Mit ihrer neuen Sparte hat die Stiftung von Bernd Jung, der am Freitag 80 Jahre alt geworden ist, eine noch größere Bedeutung bekommen. Und Geschäftsführer Harald Stark denkt bereits über das nächste Projekt für 2020 nach: einen Aktionsplan für die Darmgesundheit von Kindern und Jugendlichen. „Wo und mit welchem Partner wir das machen, ist allerdings noch offen.“

NOCH FRAGEN?

Weitere Informationen über die Bernd-Jung-Stiftung und die Kidz-Jugendhilfe gGmbH gibt es im Internet unter www.bernd-jung-Stiftung.de oder www.kidz-jugendhilfe.de oder unter Telefon 06239 9976099.

STIFTUNGSVORSTAND

Vorsitzender Bernd Jung, Stellvertreter Eckhard Geib und Julian Geib, Beiratsmitglieder Manfred Gräf, Michael Müller, Martin Haller, Christian Baldauf, Christian Reber, Melanie Scharnow, Norman-Alexander Leu.


Quelle:Die Rheinpfalz Frankenthaler Zeitung – Nr. 29, Dienstag, den 4. Februar 2020
Foto:werdelw

„SeSiSta“

Gewaltpräventionskurs für Vorschulkinder / Kinder des Familiennetzwerk Worms-Neuhausen lernten „selbstbewusst, sicher und stark” (SeSiSta) im täglichen Leben aufzutreten

Beim Kurs lernten die Kinder unter anderem, vorsichtig zu sein und nicht auf Lockangebote Fremder zu reagieren.

Wenn Kinder in die Schule kommen, gewinnen sie schnell an Selbständigkeit hinzu. Der Schulweg muss häufig allein zurückgelegt werden und die Pausensituation auf dem Schulhof ist eine ganz andere als das behütete Spielen in der Kita. Es ist wichtig, mögliche Konflikt- und Gefahrensituationen rechtzeitig erkennen und richtig einschätzen zu können und zu wissen, wie man deeskalierend handeln kann. SeSiSta hat es sich zum Ziel gesetzt, Kinder jeden Alters in speziell auf sie zugeschnittenen Kursen selbstbewusst, sicher und stark zu machen.

Drei Tage Intensivkurs

Die Kooperation mit der Bernd-Jung-Stiftung in Bobenheim-Roxheim ermöglichte es dem Familiennetzwerk Worms-Neuhausen einen SeSiSta-Kurs für die Vorschulkinder anzubieten. Der Geschäftsführer der Stiftung, Harald Stark, bemühte sich um eine Reduzierung der Kursgebühr und so konnte das Netzwerk den Kurs über das Landesprogramm Kita!Plus finanzieren. Die Vorschulkinder der Kitas Liebenauer Feld, Pusteblume und Kindertreff 93 lernten im Intensivkurs an drei Tagen wichtige Dinge, zum Beispiel was eine „Pappnase“ ist und wie man sie erkennt. Die Antworten der Kinder auf die Frage, woran man eine Pappnase erkennt, sind ganz typisch: „An der schwarzen Kleidung“, „An einer Maske im Gesicht“, „Er hat eine Waffe dabei“. Kursleiter Frank Zindler machte deutlich, dass jeder eine Pappnase sein kann, egal ob Kind oder Erwachsener und dass Pappnasen ganz normal aussehen. Deshalb lernten die Kinder auch gleich die erste Grundregel: „Spricht mich jemand an, geh‘ ich einfach weiter dann“.

Erlernte erfolgreich umgesetzt

Anhand von Rollenspielen wurde die Anwendung der Regel eingeübt und die Kinder gewannen Vertrauen in ihre Fähigkeit, in kritischen Situationen richtig zu handeln.
Im Verlauf des Kurses wurden zwei weitere Grundregeln erlernt und immer wieder praktisch eingeübt. Die Kinder erfuhren, was ein Kinderschutzraum ist und wie man dort Hilfe sucht. Ein wichtiger Tipp von Frank Zindler: „Lernt die Telefonnummer eurer Mami auswendig, denn euren Kopf habt ihr immer dabei!“
Hier kommen die Eltern als wichtige Trainingspartner ihres Kindes ins Spiel. Da das erlernte Verhalten immer wieder geübt werden muss, fand bereits im April ein vorbereitender Elternabend statt, bei dem sich zahlreiche Eltern über die Kursinhalte informierten. Schließlich erfolgte zum Abschluss des Kurses noch einmal eine wichtige praktische Übung. Die Kinder passierten das Auto des Kursleiters, wurden von ihm – dem Fremden – angesprochen und er bot ihnen Süßigkeiten an. Aber alle Kinder gingen selbstbewusst, sicher und stark an ihm vorbei. Genau dies war auch beabsichtigt und das Erlernte wurde von allen Kindern erfolgreich umgesetzt.


Quelle – Bild und Text : Nibelungen Kurier Worms, 9.Juli 2019

 

„Schimpfend ist niemand gegangen“

Wormser Jugendlicher mit Lernschwäche möchte gefordert werden / Praktikum bei der IKK Südwest erfolgreich beendet

VON FLORIAN HELFERT Freundlich, warm und aufrichtig hat der Wormser Jugendliche Justin Stroh als Praktikant der IKK Südwest am Standort des Ludwigsplatzes Kundinnen und Kunden begrüßt. Dabei konnte er drei Monate lang Einblicke in den Berufsalltag eines Büros sammeln. Das Besondere: Justin Stroh ist von einer Lernschwäche betroffen und kämpft dennoch langfristig um eine Stelle in einem Büro: „Im Vergleich zu einer Werkstatt für behinderte Menschen möchte ich stärker gefordert werden“, strebt Justin Stroh nach seiner aktuell noch 24 Monate umfassenden Qualifizierung auf den ersten Arbeitsmarkt. „Das Praktikum hat mir sehr viel Freude bereitet“, blickt Justin Stroh an einem seiner letzten Tage in den Wormser Räumen der IKK Südwest gerne zurück. Insbesondere der Empfang der Kundinnen und Kunden habe ihm gefallen, wobei die Kunden ihm zufolge fast immer sehr nett gewesen sind. „Schimpfend ist niemand gegangen“, geriet er auf Nachfrage leicht ins Schmunzeln.

Herausforderungen meistern

Ein bisschen schwieriger gestaltete sich hingegen gerade zu Beginn des Praktikums die Ablage von Schriftstücken. „Mit vereinten Kräften ging es dann aber immer besser“, lobte Justin Stroh speziell Damon Wakelin als ihn unterstützenden Jahrespraktikanten und selbstverständlich auch das ganze Wormser Team der IKK Südwest. „Hier bin ich herzlich aufgenommen und betreut worden“, so Stroh. Als kleines Beispiel aus dem Büroalltag nannte er dann, dass wenn zum Beispiel niemand gekommen sei und er keine Büroarbeiten zu erledigen gehabt habe, er seinen Tagesbericht nach Rücksprache mit seiner Betreuerin Barbara Müller habe schreiben dürfen.

Für die Chance, seinem Ziel mit Hilfe der IKK Südwest in Form des nun beendeten Praktikums in einem Büro, dankte er stellvertretend Silke Staaden als Leiterin des IKK-Kundenservice der Regionaldirektion Ost. Einem Dank, welchem sich sowohl Sabine Ostertag vom Integrationsdienst des Vereins für Integration und Teilhabe am Leben e.V. als auch Harald Stark von der Bernd-Jung-Stiftung mit Sitz in Bobenheim-Roxheim gerne anschlossen – immerhin habe es sich um das erste Praktikum eines Heranwachsenden mit Lernschwäche für die IKK Südwest gehandelt.

Suche nach weiterem Praktikum läuft bereits

Begleitet der Integrationsdienst weiterhin die Qualifizierung, bemüht sich auch die Bernd-Jung-Stiftung erneut um ein Praktikum als vertiefenden Schritt auf dem Weg in den angestrebten Büroalltag. „Nachdem ich heute erfahren habe, wie glücklich Justin immer nach Hause gegangen ist und sehe, wie er hier strahlt“, so Harald Stark, Geschäftsführer der Bernd-Jung-Stiftung abschließend, „möchten wir ihn in unserem Netzwerk gut unterzubringen versuchen“.

Weitere Betriebe willkommen

Betriebe, die lernbehinderte Heranwachsende mit einem Praktikumsplatz oder einer Qualifizierungsmöglichkeit unterstützen wollen, können sich an den Integrationsfachdienst des Vereins für Integration und Teilhabe am Leben e.V. via kontakt@ifd-rheinhessen-nahe.de oder telefonisch unter 06731/6762 wenden.
                                                                                                                                                     
Quelle: Nibelungen Kurier Worms, 2. Februar 2018

 

 


 

„Wann bekomme ich einen Pass?“

Bobenheim-Roxheim: Staatsministerin Maria Böhmer im Austausch mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

Von Waltraud Werdelis

Das ehrenamtliche Engagement für die Integration von Flüchtlingen in Bobenheim-Roxheim ist vielfältig. Was manche vielleicht nicht wissen: Neben den Asylbewerbern im Wohnheim im Pfalzring gibt es auch Minderjährige, die allein aus ihrer Heimat geflüchtet sind und für die nicht die Gemeinde, sondern das Jugendamt des Rhein-Pfalz-Kreises zuständig ist. Diese Jugendlichen standen am Freitag im Mittelpunkt des Ortstermins von Staatsministerin Maria Böhmer (CDU).

Das Zentrum für Arbeit und Bildung (ZAB) betreut mehrere Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Frankenthal und Umgebung. Was dort geschieht, ist einfach erklärt: alles, was normalerweise in Familien passiert. Zur Schule oder ins Praktikum gehen, einkaufen, gemeinsam kochen und essen, reden, Ausflüge machen, fernsehen. Das scheint alles ziemlich gut zu funktionieren. Die 17 Jugendlichen, die in den Räumen der Bernd-Jung-Stiftung am Binnendamm in großer Runde mit ihren Helfern und ein paar Politikern sitzen, wirken zumindest sehr motiviert und ausgeglichen.Ob sie in der Heimat rechnen gelernt haben, will die Bundestagsabgeordnete und Mathematiklehrerin Böhmer wissen. Denn selbst wenn die jungen Männer schon ganz gut Deutsch können: Ohne Mathe werden sie ihre Berufswünsche wie Elektriker oder Automechaniker nicht erfüllen können. Altbürgermeister Manfred Gräf (CDU), dessen Stiftung für alltagstaugliche Zusatzstunden im Fach Deutsch sorgt, nickt. Bei allem Lob für den Lernwillen der Migranten muss er doch erschrocken sagen, dass Rechnen in den Schulen der Herkunftsländer offenbar keine große Rolle gespielt hat. Deshalb verknüpfen er, die junge Karolin Lemster und der pensionierte Berufsschullehrer Hans-Joachim Fetz jede Woche ihre Deutschstunden mit Rechenübungen, vorzugsweise zum Thema Einkaufen.

Die freundlichen Jungs aus Afghanistan, Syrien und Somalia kommen freiwillig zu ihnen, bevor sie jeden Dienstag auf dem Gelände des Sportclubs Fußball spielen. Diesen Part der Integrationshilfe übernimmt die Bernd-Jung-Stiftung, indem sie für kompetente Trainer sorgt. Denn in den laufenden Betrieb eines Fußballvereins können die Jugendlichen ohne genügend Ballgeschicklichkeit nicht einfach so einsteigen. Vierter im Bunde ist neben dem ZAB die Volkshochschule, die demnächst auch Workshops für die jungen Leute anbieten will, zum Beispiel zum Thema Handyvertrag.

Maria Böhmer ist am Freitag auf ihrer Tour durch den Wahlkreis auch deshalb nach Bobenheim-Roxheim gekommen, weil sie von den minderjährigen Flüchtlingen hören will, was die Politik bei der Integration noch verbessern kann. Die 17 Jungs wissen nicht so recht, was sie antworten sollen. Etliche strecken auf die Frage, ob sie deutsche Freunde haben, den Finger. Streit zwischen den muslimisch durchaus unterschiedlich geprägten Jugendlichen scheint es auch nicht zu geben, wie Manfred Gräf bestätigt. Als Böhmer nach „dem Interview“ fragt, dem entscheidenden Termin für das Verfahren zur Anerkennung des Flüchtlingsstatus, wirken die meisten bedrückt. Ein syrischer Junge, der in der Mitte der zehnten Klassenstufe in die Realschule plus eingestiegen ist, nimmt den Faden auf und fragt die Staatsministerin, was ihm seine Betreuer vom ZAB nicht sagen können: „Ich habe seit acht Monaten nur eine Duldung, wann bekomme ich einen Pass?“ Leider weiß Böhmer darauf auch keine Antwort, sondern nur, „dass die Anerkennungsverfahren einfach zu lange dauern, weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu wenig Personal hat“. Böhmer entschuldigt sich dafür.

Im Versammlungsraum am Binnendamm ist es mittlerweile sehr stickig geworden. Zeit zum Fußballspielen an der frischen Luft.
                                                                                                                                            

Text und Quelle: Die Rheinpfalz – Frankenthaler Zeitung – Nr. 195, Montag, den 22. August 2016

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