Förderzentrum für Jugend und Soziales

BJS

„In Philosophie und Denken den Weg weiter gehen“

BOBENHEIM-ROXHEIM: Harald Stark, Geschäftsführer der Bernd-Jung-Stiftung, zieht Bilanz / Rückblick und Ausblick im Gespräch mit dem NK

„Wer rastet, der rostet!“ Harald Stark, Geschäftsführer BJS und KiDZ Jugendhilfe aus Bobenheim-Roxheim im Gespräch mit dem NK.                          Foto: Steffen Heumann

VON STEFFEN HEUMANN:
Am morgigen Sonntag blickt Harald Stark, Geschäftsführer der Bernd-Jung-Stiftung (BJS) und KiDZ-Jugendhilfe, auf sechs Lebensjahrzehnte zurück. Allerdings richtet der Jubilar den Blick auch in die Zukunft des Stiftungswerkes. Ein Anlass, um beim Kooperationspartner des NK in Bobenheim-Roxheim anzufragen, wohin die Reise geht und ob sich ein Lebenstraum bereits erfüllen ließ. Eigener Nachwuchs war nie geplant, trotzdem entwickelte sich der Bereich Kinder und Jugend im Leben von Harald Stark zur Kernkompetenz. Der gebürtige Wormser und talentierte Fußballer, der unter anderem beim VfR Wormatia die Zeit mit Fußball-Legenden im Trikot des Traditionsvereins erleben durfte, wechselte bereits zur aktiven Zeit auf die Trainerseite. Als Fußballtrainer hatte er viel mit Kids zu tun. „Da kam viel zurück“, erklärt Stark, für den das positive Feedback aus dem Fußball-Nachwuchsbereich immer Ansporn und Motivation war.

Hoffnungen auf eine eigene Karriere im Fußball musste Harald Stark aufgrund gesundheitlicher Probleme früh „abschenken“. Dem Trainerdasein huldigte Stark parallel zu seinem beruflichen Wirken in Handwerk und Vertrieb, bis sich sein Fokus auf eine neue Herausforderung richtete. „Zentrales Ereignis war die Begegnung mit Bernd Jung“, so Stark. Der Stiftungsgründer aus Bobenheim-Roxheim avancierte zum Mentor und Ratgeber. „Seine Lebenserfahrung war ein riesiger Gewinn, für mich und die Entwicklung der Stiftung“, erläutert Harald Stark, der sich seit 2008 ehrenamtlich für die Stiftung engagierte. 2009 kam das Förderzentrum für Jugend & Soziales unter dem Dach der Stiftung hinzu. 2014 folgte der nächste logische Schritt: die Hauptamtlichkeit als Geschäftsführer der BJS. „Von der Berufung zum Beruf“, ergänzt Harald Stark.

Stillstand ist Rückschritt

Das Credo von Bernd Jung und Harald Stark galt von Anfang an der Weiterentwicklung der Stiftungsarbeit. Stillstand propagieren beide bis heute als Rückstand. Netzwerken über das über normale Pensum der Arbeitswoche hinaus wurde zum Programm. Akribisches Wirken, Beharrlichkeit, aber auch die nötige Gelassenheit ebneten den Weg der BJS, um als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt zu werden. Um diese Tätigkeit auf eine breite Basis zu stellen, gründete die Bernd-Jung-Stiftung 2018 als alleinige Gesellschafterin die KiDZ-Jugendhilfe – eine gemeinnützige GmbH. Hier übernahm Harald Stark ebenfalls die Geschäftsführung. Bis Ende 2019 wurden neun Arbeitsplätze geschaffen, 2020 folgten weitere sieben Mitarbeiter, die das Team der KiDZ-Jugendhilfe in den Bereichen SGB VIII und SGB IX unter anderem als Integrationskräfte und Eingliederungshilfen unterstützen.

„Natürlich arbeiten wir bereits an der Realisierung weiterer Ideen“, so Harald Stark. Auch mit 60 Jahren kennt der Tausendsassa in Sachen Stiftungsarbeit keine Langeweile. „Nur Corona bremst uns ein bisschen aus“, bedauert Stark, der sich inzwischen privat in Frankenthal heimisch fühlt. Er hofft, dass die Kursangebote an der Volkshochschule ebenso wie die Ballbewegungsschule bald wieder regelmäßig stattfinden können. „Aber die BJS kann auch Krisenmanagement“, versichert Harald Stark, der noch viele Jahre am Ball bleiben möchte. Mit Unterstützung von Förderern und Sponsoren, der konstruktiven Zusammenarbeit mit Kommunen sowie Netzwerkpartnern wie der Fußballschule von Axel Roos sei noch vieles möglich. Gerne erinnert sich Stark an die erfolgreiche Typisierungsaktion für die Stefan-Morsch-Stiftung am Globus-Markt in Bobenheim-Roxheim, die Organisation von Benefizkonzerten mit den Mainzer Hofsängern oder dem Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz. Die Ausrichtung eines Blindenfußallturnieres der Fußball-Nationalmannschaften unter der Schirmherrschaft von Dr. Markus Merk zählt der Geschäftsführer ebenfalls zu den Meilensteinen der Stiftungsarbeit.

Volle Aufmerksamkeit gilt vor allem der KiDZ-Jugendhilfe. Der Bedarf an flexiblen Konzepten für pädagogische Hilfestellungen sei hoch. Die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien stehe weiterhin im Mittelpunkt der von Nachhaltigkeit geprägten Tätigkeit. Ein Wunsch zum morgigen Ehrentag? „Meinen Traumberuf habe ich ja gefunden, jetzt möchte ich in Philosophie und Denken den Weg der Stiftung und von KiDZ noch viele Jahre weiter gehen“, betont Harald Stark.

Weitere Infos unter bernd-jung-stiftung.de und kidz-jugendhilfe.de


Text und Bild: Nibelungen Kurier Worms, Ausgabe 28.11.2020

„Wie ein Futsal-Ball, aber er rasselt“

Vorbereitung auf EM in Italien: Blindenfußballturnier am 1. und 2. Juni im Ostparkstadion in Frankenthal / Dr. Markus Merk übernimmt Schirmherrschaft / Eintritt freiInformierten aus erster Hand über das Blindenfußballturnier am 1. und 2. Juni im Ostparkstadion in Frankenthal (von links): Harald Stark, Geschäftsführer Bernd-Jung-Stiftung, Alexander Fangmann, Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft, Dr. Markus Merk, Schirmherr der Veranstaltung, und Oliver Herrmann, Geschäftsführer im Fußball-Regional-Verband „Südwest“. Foto: Steffen Heumann

VON STEFFEN HEUMANN Außergewöhnlich ist das Turnier nur für den Außenstehenden. Für das Team der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft um Kapitän Alexander Fangmann dient das Vier-Nationen-Treffen mit den Teams aus Ghana, Italien und Spanien als idealer Test für die anstehende Europameisterschaft in Italien. Blindenfußball ist nicht nur außergewöhnlich, er ist auch spektakulär.

Fasziniert von diesem Handicap-Sport

Wenn am 1. und 2. Juni im Ostparkstadion in Frankenthal parallel zum traditionellen Strohhutfest der Ball rollt, ist auch Dr. Markus Merk mit dabei. Der dreifache Weltschiedsrichter, der 2008 seine Karriere beendete, möchte Teil des Ganzen sein. Der Termin habe gepasst, trotz seiner vielen Verpflichtungen. „Man hört es, aber man muss es einfach erleben“, wirbt Markus Merk um Aufmerksamkeit für das Turnier, bei dem ein rasselnder Lederball neben den Akteuren die Hauptrolle spielt. Er selbst führe ein privilegiertes Leben, führt Merk aus. „Ich möchte auch etwas zurückgeben“, zeigt sich Merk fasziniert von diesem Handicap-Sport. Gerne habe er daher die Schirmherrschaft übernommen.

Respekt zollt Markus Merk auch dem Engagement der Bernd-Jung-Stiftung (BJS) aus Bobenheim-Roxheim, die gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Fußballverband (SWFV) als Veranstalter fungiert. „Das Thema Inklusion spielt auch in der Stiftung eine wichtige Rolle“, erläutert BJS-Geschäftsführer Harald Stark. Ursprünglich war die Austragung eines Länderspiels der Blindenfußball-Nationalmannschaft geplant. Jetzt sei aus dieser Idee ein hochkarätiges zweitägiges Turnier geworden, so Stark. Neben der Stadt Frankenthal und dem VfR als Gastgeber, konnten neben dem SWFV, die Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar und die Sportregion Rhein-Neckar als Turnierpartner gewonnen werden. Durch den Kooperationspartner der Bernd-Jung-Stiftung, die Fußballakademie von FCK-Ex-Profi Axel Roos, konnte auch der Kontakt zur Sepp-Herberger-Stiftung des DFB hergestellt werden, die das Vorhaben ebenfalls großzügig unterstützt.

Integrative Kraft des Fußballs

Behindertensport und Inklusion sind ebenfalls ein Förderschwerpunkt der Sepp-Herberger-Stiftung. Nico Kempf, stellvertretender Geschäftsführer der Stiftung, unterstreicht, dass das Turnier etwas Besonderes sei. Es bringe den Sport zu den Menschen und ermuntere Menschen gleich welcher Behinderung, in Vereinen aktiv zu werden. Mit Infrastruktur, Bandenelementen und Toren schafft die Stiftung optimale Rahmenbedingungen für die Akteure auf dem Kunstrasen.

Vielfalt leben

„Gesellschaftliche Verantwortung hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen“, verweist Oliver Herrmann, Geschäftsführer im Fußball-Regional-Verband „Südwest“ auf vielfältige Aktivitäten im Bereich Blindenfußball, Werkstättenfußball oder Inklusionsturniere, um Vielfalt zu leben und Menschen mit Handicap in die Mitte der Gesellschaft zu führen. Rund 3.000 Zuschauer haben auf dem Gutenbergplatz in Mainz den Auftakt zur Blindenfußball-Bundesliga erlebt, der Sport auf hohem Niveau geboten hätte.

Mit Schiri auch mal unzufrieden

Gespannt ist Alexander Fangmann, Kapitän der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft, auf das Wiedersehen mit alten Bekannten. Vor allem mit den Spaniern, die neben den Engländern zu den Favoriten der Euro 2019 zählen. Die Italiener seien schwer einzuschätzen, vor allem im Hinblick auf die Heim-EM in Rom. Und Ghana überhaupt erst zum zweiten Mal auf internationaler Ebene am Start. Daher hofft der 34-jährige am ersten Turniertag auf ein interessantes Duell gegen den afrikanischen Vertreter. Als Sport-Inklusionsmanager bringt Fangmann beim Württembergischen Landessportbund auch seine Erfahrung als Mensch mit Schwerbehinderung ein. Der Fußball-Kapitän, der sich mit seinem Verein MTV Stuttgart bereits zum sechsten Mal die deutsche Meisterschaft im Blindenfußball sichern konnte, hadert allerdings mit seinen Teamkollegen des öfteren mit den Schiedsrichterentscheidungen. „Die spielen beim Vorbereitungsturnier eine wichtige Rolle“, unterstreicht Alexander Fangmann.

„Das Pfeifen möchte ich doch lieber den Profis überlassen“, erwidert Markus Merk auf Anfrage, ob er auch die Rolle des Referees beim Turnier übernehmen will. „Sicher eine reizvolle Aufgabe“, fügt Merk mit Blick auf das Spielgerät an. „Wie ein Futsalball, aber der rasselt“, konstatieren die Fußballexperten in der Presserunde bei der Prüfung des sprungreduzierten Spielgerätes. Das erklärt auch, warum die Spieler um absolute Ruhe auf dem Platz bitten. Die Orientierung erfolgt über das Gehör. Jubel ist aber durchaus erwünscht. Und zwar nach den Toren. Und davon sollen beim Turnier viele fallen. Fachkundig wird er Zuschauer während der Spiele mittels Kopfhörer durch einen Live-Kommentar über das Geschehen auf dem Platz informiert – eine von vielen Besonderheiten, die der Blindenfußball zu bieten hat. „Am besten vorbeischauen“, empfehlen Markus Merk, Oliver Herrmann und Harald Stark einen Besuch bei diesem besonderen Fußballturnier auf dem VfR-Gelände.

Info:

EM-Vorbereitungsturnier im Blindenfußball
Ostparkstadion
Am Kanal 8
Frankenthal
Samstag, 1. Juni
Deutschland – Ghana (14 Uhr)
Spanien – Italien (16 Uhr)
Sonntag,2. Juni
Spiel um Platz 3 (10 Uhr)
Endspiel um Platz 1 (12 Uhr)
Eintritt frei


Quelle / Bild und Text : Nibelungen Kurier Worms

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