Förderzentrum für Jugend und Soziales

Kindergärten

Helden müssen erraten werden

Bobenheim-Roxheim: Spielerisch stärkt ein neues Projekt an der Rheinschule die Konzentrationsfähigkeit und Teamarbeit der Kinder. Seit diesem Schuljahr bietet die Bernd-Jung-Stiftung dort soziale Gruppenarbeit für Drittklässler an. Und dabei können auch mal die Schuhe getauscht werden. Ein Besuch.  Von Sophie LeitertHüpfen, pfeifen, Schuhe schnappen: Der pädagogische Mitarbeiter Benjamin Grau trifft sich zwei Mal in der Woche mit einer kleinen Gruppe von Drittklässlern und fördert sie spielerisch.                                                                               Foto:Bolte

„Seid ihr dabei bei den Regeln?“, fragt Benjamin Grau die vier Kinder. Die Verhaltensregeln wurden zu Beginn der Stunde wiederholt: nicht reinrufen, sich melden, den Nachbarn nicht ärgern, andere ausreden lassen und sich konzentrieren. Einfach gesagt, aber den Drittklässlern fällt das im Schulalltag noch schwer.Konzentration, Aufmerksamkeit, selbstständiges Erarbeiten einer Lösung und die Arbeit in Gruppen sind Schlüsselqualifikationen im Leben. Bei der sozialen Gruppenarbeit sollen diese Fähigkeiten durch gemeinsame Spiele gefördert werden. Die Kinder werden motiviert und in ihrem Selbstvertrauen gestärkt – doch sie sollen nicht spüren, dass ein pädagogisches Konzept dahintersteht. Auch heute lernen die Kinder in der Gruppe ein neues Spiel, und Benjamin Grau erklärt die Regeln locker vor dem Tisch der Kinder knieend: Alle sollen einen Schuh ausziehen und auf einem Bein hüpfen. Sobald Grau aufhört zu pfeifen, sollen sich alle einen fremden Schuh schnappen. Aber für Lena* bleibt nur ihr eigener Schuh. „Wie löst ihr das jetzt?“, fragt Grau. Die Kinder brauchen wenige Minuten. Dann suchen sie denjenigen, dem der Schuh gehört, und flüstern ihm ihre Lieblingsfarbe ins Ohr, in der zweiten Runde das Lieblingsessen. Beides müssen sie sich bis zum Schluss merken.

Benjamin Grau ist Pädagoge bei der Bernd-Jung-Stiftung, und hat die Drittklässler, die förderbedürftig sind, zum Beginn des Schuljahres kennengelernt. Ziel ist es, den Schülern den Übergang zur weiterführenden Schule zu erleichtern. Das Konzept hat die Stiftung erarbeitet und kann es dank einer Spende der BASF nun in der Rheinschule seit diesem Jahr anbieten – die Summe wird jedoch nicht genannt. Schulleiter Andreas Mock war sofort von dem Projekt begeistert und möchte eng mit der Stiftung zusammenarbeiten. Obwohl Benjamin Grau kein Teil des Lehrerkollegiums an der Schule ist, tauscht er sich regelmäßig mit ihnen aus. Er kann auf die Kinder anders zugehen, hat Schulleiter Mock beobachtet. „Jemand der keine Noten vergibt, hat einen anderen Zugang zu den Kindern.“

Optimal wäre es, wenn die Stiftung schon im Kindergarten verhaltensauffällige Kinder pädagogisch betreuen und über die Grundschule bis in die weiterführende Schule begleiten kann, sagt Harald Stark, Geschäftsführer der Stiftung. Dann könnten sie sich an eine Vertrauensperson gewöhnen und eine langjährige persönliche Beziehung aufbauen. „Bobenheim-Roxheim hat die perfekten Voraussetzungen dafür“, erklärt Wolfgang Kaufmann, ehrenamtlicher Begleiter der Stiftung in pädagogischen Fragen. „Bei den Kleinen kann man noch am meisten bewirken. Nach der sechsten Klasse kann man meistens nur noch Schönheitskorrekturen machen“, weiß Kaufmann durch seine langjährigen Erfahrungen in der Arbeit mit Jugendlichen beim Zentrum für Arbeit und Bildung in Frankenthal.

Gleich heißt es Mädchen gegen Jungs. Beim nächsten Spiel „Galgenmännchen“ sind Teamarbeit und Aufmerksamkeit gefragt. Das Spiel funktioniert so: Grau denkt sich ein Wort aus, und zeichnet so viele Unterstriche an die Tafel, wie das Wort Buchstaben hat. Lena* und Helen* sowie Milan* und Arian* bilden ein Team. Im Team sollen sie die Buchstaben erraten, die in dem Wort vorkommen könnten. Ziel ist es, keinen Buchstaben doppelt zu nennen und sich mit dem Partner auf einen Buchstaben zu einigen. „Ihr seid ein Team, ich möchte, dass ihr euch besprecht“, ermutigt der Pädagoge die Schüler. Doch erst sprechen sich die Kinder nicht richtig ab, und als Arian einfach einen Buchstaben sagt, der nicht im gesuchten Wort vorkommt, protestiert Milan, der gerne einen anderen Buchstaben genannt hätte. „Das muss ich jetzt trotzdem werten“, sagt Grau und macht ein Kreuz für die Jungs an der Tafel für den falschen Buchstaben. Ab jetzt klappt es mit dem C. Die Kinder sind fixiert darauf, die Lösung gemeinsam zu erarbeiten. Die Situation nutzt Grau, um die Kinder zu loben. „Ihr redet leise, kippelt nicht mit dem Stuhl, hört einander zu und quatscht nicht rein – ihr seid super!“ Schließlich lösen die Kinder das gesuchte Wort „HELDEN“.

*Die Namen der Kinder wurden von der Redaktion geändert.


Quelle: Bild und Text – Die Rheinpfalz Frankenthaler Zeitung – Nr. 204, Montag, den 3. September 2018

SeSiSta neuer Kooperationspartner der Bernd-Jung-Stiftung im Bereich Gewaltprävention

Da der bisherige Kooperationspartner, der Bundesverband Gewaltprävention „Selbstbewusst und Stark“ nicht mehr zur Verfügung stand, konnte die Bernd-Jung-Stiftung mit “SeSiSta (Selbstbewusst, Sicher, Stark), die bereits auch mit „Anpfiff ins Leben“ zusammenarbeiten, einen neuen Kooperationspartner gewinnen.

SeSiSta führt Gewaltpräventionskurse für Kinder und Jugendliche altersgerecht und bundesweit in Kindergärten, Schulen, Jugendeinrichtungen, Jugendfreizeiten, Vereinen und öffentlichen Einrichtungen durch.

                                            Weitere Infos unter Leistungsspektrum / Gewaltprävention

 

Angebote über das Spiel hinaus

Fussball: Bernd-Jung-Stiftung kooperiert mit der Fußballakademie von Axel Roos

Die von Axel Roos gegründete Fußballakademie Kaiserslautern ist eine Kooperation mit der Bernd-Jung-Stiftung eingegangen. Die Stiftung, die ihren Sitz in Bobenheim-Roxheim hat und die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kinder und Jugendliche mit Sport, Bildung, Ernährungsthemen und sozialen Angeboten in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu fördern, will nun auch in Kaiserslautern präsent sein.

„Kinder und Jugendliche sind unsere Zielgruppe“, sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Harald Stark, in einem Gespräch mit der RHEINPFALZ und erklärte, dass die Stiftung bereits seit dem Jahre 1999 bestehe und seit 2014 den Namen Bernd Jung trage, der sie durch sein Engagement ins Leben gerufen habe. Sport, Ernährung, Bildung und Soziales seien die vier ursprünglichen Schwerpunkte im Angebot der Stiftung, zu denen nun auch die Integration hinzu gekommen sei. Damit gehören zu den Projekten der Bernd-Jung-Stiftung auch solche, in denen Flüchtlingskinder gefördert werden.Die Stiftung arbeite mit Schulen und Kindergärten zusammen und „bewege zurzeit rund 1000 Kinder“, so der Geschäftsführer. Mittelpunkt ist dabei das Förderzentrum in Bobenheim-Roxheim. Dort werden unter anderem Erste-Hilfe-Kurse, Kinderschach und in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Gewaltprävention altersgerechte Gewaltpräventionskurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeboten. Zudem gehört auch noch ein Sportprogramm für Menschen mit und ohne Handicap zum Programm. Großer Beliebtheit erfreut sich eine nach dem Konzept des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg entwickelte Ballschule.

Zu den ersten Kontakten zwischen Stiftung und Fußballakademie kam es im September des vergangenen Jahres. Da veranstaltete Axel Roos, der ehemalige Fußballprofi des 1. FC Kaiserslautern, ein Fußballcamp in Bobenheim-Roxheim. Es kam zu Gesprächen, und es wurde ein Kooperationsvertrag unterschrieben. Wie Axel Roos berichtete, veranstalte er jeden Montagnachmittag in Bobenheim-Roxheim ein Fußballtraining für Jugendliche. „Wir stehen erst am Anfang“, sagte Roos und wies darauf hin, dass bereits in diesem Jahr die Bernd-Jung-Stiftung und die Fußballakademie zwei Kurse in Kaiserslautern anbieten. Und zwar am 26. Oktober einen Selbstsicherheitskurs für Kinder von sechs bis zwölf Jahren. Die Veranstaltung findet im Nebenraum der Gaststätte Abseits (Kniebrech 11) statt. Die Teilnahme kostet 15 Euro. An gleicher Stelle steigt dann am 2. November eine Aktion für Vorschulkinder und ihre Eltern, die unter dem Motto „Fühlen wie’s schmeckt“ steht.

INFO

Die Anmeldung zu den Kursen ist telefonisch unter der Nummer 06239/995696 oder den Mailadressen gewaltpraevention@bernd-jung-stiftung.de oder ernaehrungsberatung@bernd-jung-stiftung.de  möglich.pkn


Text und Quelle: Die Rheinpfalz – Pfälzische Volkszeitung – Nr. 238, Mittwoch, den 12. Oktober 2016

Am Anfang steht ein zerstückelter Teddybär

BOBENHEIM-ROXHEIM: Der Bundesverband Gewaltprävention Selbstbewusst & Stark ist regelmäßiger Gast beim Förderzentrum der Bernd-Jung-Stiftung. Die Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu den Themen Mobbing, Selbstbehauptung und Streitschlichten sind sehr beliebt. Wir haben einmal in den Lehrgang zum Gewaltpräventionstrainer hineingeschnuppert.

Von Kirsten Hönicke

Im Volkshochschulraum in der Bobenheim-Roxheimer Realschule sitzen zwölf Menschen, die ihre Grundausbildung zum Gewaltpräventionstrainer beginnen. Vor ihnen auf dem Tisch liegen eine Informationsmappe und ein Teddybär. Die Stimmung ist ruhig und konzentriert, man kennt sich noch nicht. Schließlich kommen die Frauen und Männer zum Teil von weiter her, aus Wiesbaden oder dem Hunsrück. Alle haben den Wunsch, von Kelly Sach und seinen Kollegen vom Bundesverband Gewaltprävention Selbstbewusst & Stark zu lernen, wie man Gewalt in jeder Form verhindern oder zumindest richtig darauf reagieren kann. Alle arbeiten mit Kindern und Jugendlichen, manche auch mit Erwachsenen. Sie wollen nicht nur selbst vorbeugend tätig werden, sondern auch als Multiplikatoren wirken, also Mitarbeiter und Kollegen anleiten.Tino Inglese beispielsweise betreibt in Darmstadt eine Kampfsportschule. Er möchte „erst mal für sich“, später auch für die anderen Trainer seiner Schule Methoden der Gewaltprävention kennenlernen, weil er in jüngster Zeit einen starken Zulauf an Kindern hat. Im Kampfsportunterricht und eventuell in extra Kursen, die er Schulen anbieten will, soll das Gelernte zum Einsatz kommen.

Sach stellt sich der Runde vor und erklärt gleich, was es mit dem Teddy auf sich hat. So einen nimmt er mit in die Schulen, die ihn rufen, um mit Schülern über Mobbing zu sprechen. Zuvor lässt er sich von den Lehrern Namenslisten mit Anmerkungen schicken: Wer sind die Mobbingopfer in der Klasse, wer die Täter? Auf die Täter geht er gezielt zu und gibt ihnen gleich am Anfang den Teddy. „Das ist ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Schulen“, erklärt er den Kindern. Die Aufgabe sei, den Bären so schnell wie möglich in Stücke zu reißen. „Im Schnitt“, sagt Sach, „brauchen die Kinder dazu eine bis zwei Minuten.“ Dann holt er Nähzeug aus der Tasche und gibt es den Tätern. „Denn zum Wettbewerb gehört auch, den Teddy wieder zusammenzunähen.“ Es dauere dann etwa zwei bis drei Stunden, bis das Stofftier halbwegs aussieht wie vorher. „So schnell geht es, einen Menschen kaputt zu machen, und so lange dauert es, ihn wieder zu flicken“, ist die Botschaft, die Kelly Sach den Kindern damit anschaulich vermittelt. Die C-Kurs-Teilnehmer in Bobenheim-Roxheim, die gleich ins Thema Kommunikation und Körpersprache einsteigen werden, sind beeindruckt.

Im A-Kurs, der an diesem Tag ebenfalls angeboten wird, sitzen zehn „alte Hasen“. Simone Holzhäuser-Sutter und Jutta Köhler haben die C- und B- Zertifikate schon in der Tasche. Sie fühlen sich wohl in der Gruppe, die seit dem ersten Termin im März 2015 zusammen alle Stufen der Ausbildung durchläuft und es „bis zum Schluss durchziehen will“, wie Holzhäuser-Sutter versichert. Alle duzen sich, der Ton ist lebhaft, es wird viel gelacht, Erfahrungen und Erlebtes werden ausgetauscht. Was im C-Kurs noch allgemein gehalten war und im B-Kurs konkreter wurde, soll jetzt intensiviert und geübt werden.

Dazu gehören praktische Einheiten wie Rollenspiele zur richtigen Anwendung von Mimik und Gestik. Einiges aus den Kursen konnten die Teilnehmer schon anwenden. Köhler spricht von einem Mobbingfall, bei dem ihr die neu erworbenen Kenntnisse gleich weitergeholfen hätten. Konkret werden will sie nicht, weil man im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit in der Kinder- und Jugendhilfe die beteiligten Personen identifizieren könnte.

Kelly Sach hat den Bundesverband Gewaltprävention mit Gleichgesinnten gegründet, um in bundesweiten Kooperationen Gewalt- und Suchtprobleme verhindern zu helfen – sowohl in der direkten Arbeit mit Betroffenen als auch über sogenannte Gewaltpädagogen, die vom Verband ausgebildet werden.

Wie wichtig solche Schulungen sind, bestätigt Bernd Lützkendorf, Beauftragter für Gewaltprävention beim TSV Auerbach. Er will in den drei Kursen lernen, wie er die anderen Übungsleiter im Verein unterrichten kann. „Es geht nicht nur um die Vorbeugung von physischer Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Wir bemühen uns auch, die Übungsleiter für sexuelle Gewalt zu sensibilisieren, damit sie nicht wegschauen, wenn so etwas im Verein oder im Zuhause der Kinder geschieht.“

Vor etwa zehn Jahren habe es in seinem Verein sexuelle Übergriffe auf Jugendliche während eines Zeltlagers gegeben. Damals waren alle hilflos, und das soll nie mehr so sein. Das zu verhindern und der zunehmenden Gewaltbereitschaft unter Kindern und Jugendlichen etwas entgegenzusetzen, dafür lassen Lützkendorf und viele andere sich fit machen.

Zur Sache: Gewaltpräventionskurse bei der Bernd-Jung-Stiftung

Der Verein Selbstbewusst & Stark ist seit 2010 Bundesverband für Gewalt- und Suchtprävention und bietet Schulungen in Kindergärten, Schulen, Jugendeinrichtungen, Vereinen und Verbänden an. Sein Ziel ist es, mit Aufklärung, Sensibilisierung und Prävention gegen die vielen Formen von Gewalt zu wirken, auch in medialer Form.

Kindesmissbrauch und sexualisierte Gewalt, Mobbing, Cybermobbing, Fremdenfeindlichkeit, Sucht und alle Arten von Konflikten und physischer Gewalt sind Themen, die mit den Betroffenen direkt oder mit den Verantwortlichen aus den Institutionen in Kursen, Workshops und Projektwochen aufgearbeitet werden. Als Gewaltpräventionstrainer kann sich vom Verband bundesweit jeder ausbilden lassen, der sein Wissen als Multiplikator an alle weitergeben möchte, die mit diesen Problemen beruflich, privat oder im Ehrenamt zu tun haben.

Die Bernd-Jung-Stiftung in Bobenheim-Roxheim ist mit ihrem Förderzentrum für Jugend und Soziales seit Januar Ehrenmitglied des Bundesverbands Selbstbewusst & Stark und bietet im Laufe dieses Jahres weitere Kurse an. Nähere Informationen gibt’s im Internet unter www.bernd-jung-stiftung.de oder www.selbstbewusst-und-stark.de. (khö)


 

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation:
Frankenthaler Zeitung
Ausgabe: Nr.45
Datum: Dienstag, den 23. Februar 2016

 

Mit “Selbstbewusst & Stark e.V.” hat die Stiftung einen weiteren Kooperationspartner gewinnen können.

Einen weiteren Kooperationspartner hat die Bernd-Jung-Stiftung mit “Selbstbewusst & Stark e.V.“, einem Verein im nördlichen Rheinland-Pfalz sowie im Bundesverband für Gewaltprävention und Suchtprävention, gewinnen können.

“Selbstbewusst & Stark e.V.” führt überwiegend Gewaltpräventionskurse in Kindergärten, Schulen, Jugendeinrichtungen, Jugendfreizeiten, Vereinen und öffentlichen Einrichtungen altersgerecht und bundesweit durch. Ebenfalls bildet er über mehrere Module Gewaltpräventionstrainer bundesweit aus. Geplant sind gemeinsame Veranstaltungen rund um das Thema “Gewaltprävention”.
Weitere Infos gibt es unter Leistungsspektrum / Gewaltprävention.

Die Termine für diese Veranstaltungen werden rechtzeitig in der Tagespresse und auf der Homepage unter “Aktuelles” veröffentlicht.

Kinder in Bewegung bringen

NACHGEHAKT: Seit zwei Jahren gibt es das Förderzentrum für Jugend und Soziales . Ballschule, Fußballfördertraining und betreutes Spielen werden mittlerweile rege nachgefragt, und ab Herbst wird Kindern auch der Kontakt zu Tieren ermöglicht. Eine ehrenamtliche Erfolgsgeschichte.

Zwischen Gnadenhof und Fußball besteht laut Stiftung Jugendfonds SC Bobenheim-Roxheim ein Zusammenhang - Foto BALZARIN, DAPD

Was haben die Esel im Wormser Gnadenhof von Carry Lerch mit Fußball zu tun? Für das Förderzentrum gehört sowohl der Umgang mit Tieren als auch Sport zu einer gesunden Entwicklung von Kindern. Und die ist oberstes Ziel der Initiatoren. (Fotos: BALZARIN; DAPD)

„Wir sind angekommen und haben mehr Menschen mit ins Boot geholt, als uns zugetraut wurde“, sagt Klaus Johannes auf die Frage, wie zwei Jahre nach der Gründung des Förderzentrums für Jugend und Soziales sein Fazit ausfällt. Was anfänglich von der Öffentlichkeit skeptisch beurteilt wurde und zwischendurch im Sportclub Bobenheim-Roxheim für Unruhe und Streit gesorgt hatte, ist zu einem Erfolgsprojekt geworden, dessen Idee noch lange nicht ausgereizt ist, die aber langsam an personelle Grenzen stößt.

Laut Johannes setzen derzeit mehr als 50 ehrenamtliche Übungsleiter für das Förderzentrum und sein Pendant in Ingelheim an über 30 Standorten in Rheinland-Pfalz das Konzept der Ballschule um und bringen damit in Kindergärten, Grundschulen und Vereinen wöchentlich 1400 Kinder in Bewegung. In Bobenheim-Roxheim beispielsweise stieg die Zahl der an der Ballschule teilnehmenden Kinder von acht im Januar 2010 auf aktuell 56. Mitarbeiter von Kitas und Schulen, die per Vertrag Kooperationspartner werden, können sich ebenso wie Ehrenamtliche mit finanzieller Unterstützung der Stiftung weiterbilden.

Keimzelle des Förderzentrums ist das Zusatztraining für junge Fußballtalente.

Neben der Ballschule ist das Fördertraining für Fußballjunioren eine wichtige Säule des Förderzentrums und sozusagen dessen Keimzelle. Die vor etwa zehn Jahren geborene Idee, vereinsübergreifend besonders talentierte Spieler in den Nachwuchsmannschaften zu fördern, sei nach und nach um soziale Aspekte erweitert worden, erläutern Harald Stark und Klaus Johannes. Der Wormser und der ehemalige Profi-Fußballer aus Mauchenheim hatten sich durch die Zusammenarbeit von SC und Hassia Bingen beim Fördertraining kennengelernt und zusammen mit Bernd Jung aus Bobenheim-Roxheim die Idee eines Förderzentrums entwickelt – mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche in den Bereichen Sport, Schule und Soziales zu unterstützen.

Durch gesellschaftliche Entwicklungen sahen sie sich dazu herausgefordert. Zum Beispiel durch den Umstand, dass viele Eltern, besonders Alleinerziehende, auf Nachmittagsbetreuung ihrer Kinder angewiesen sind. Deshalb bietet das Förderzentrum beispielsweise betreutes Spielen nach der Schule bis zum Trainingsbeginn an.

Durch die kürzlich besiegelte Kooperation mit dem Tiergnadenhof High Chaparrel in Worms ist ein weiterer Baustein der Jugendförderung hinzugekommen, die ja auch soziale Aspekte in den Blick nehmen will. Kindergartengruppen können bald ein- bis zweimal im Jahr den Gnadenhof von Carry Lerch besuchen und erhalten dort Impulse für den Umgang mit Tieren. Gern würden die drei Förderzentrumsleiter noch mehr im sozialen Bereich tätig sein, zum Beispiel in der schulischen Unterstützung von Kindern, doch dafür werfe die Stiftung nicht genug Gewinn ab, bedauert Bernd Jung.

Er ist Initiator und Vorstandsvorsitzender der Stiftung zur Jugendförderung, die 1996 mit einem Startkapital von 300 D-Mark ihren Anfang nahm. Durch weitere Spenden sei das Stiftungsvermögen gewachsen und gut angelegt worden. Mittlerweile, so Jung, seien die Wertpapiere zirka 450.000 Euro wert, aus Dividenden und Zinserträgen würden der Sport  unterstützt und die Aktivitäten des Förderzentrums finanziert. Oberstes Prinzip sei, jedem Kind die Teilhabe am Sport zu ermöglichen.

Im Hinterkopf haben Johannes, Stark und Jung aber auch die Zukunft der Sportvereine. Kinder zur Bewegung zu bringen, sei die nachhaltigste Form der  Nachwuchsförderung, ist Klaus Johannes überzeugt. Dies müsse aber über Vereinsgrenzen hinweg passieren. „Ohne Kooperationen zwischen Vereinen, aber auch mit Institutionen und Einzelpersonen geht das nicht.“ Jugendliche sollen darüber hinaus motiviert und unterstützt werden, Ehrenämter zu übernehmen, sich beispielsweise zum Trainer oder Schiedsrichter ausbilden zu lassen.

Stiftung und Förderzentrum haben in den vergangenen zwei Jahren nicht viel Aufhebens um ihr Engagement gemacht. Verborgen blieb es aber nicht. Beim Landessportbund stehen die Aktivitäten auf der Zuschussliste, die Dietmar-Hopp-Stiftung hat einen Kleinbus gespendet und möglicherweise ergattert die Stiftung demnächst noch einen Preis bei der Aktion „Sterne des Sports“ der RV Bank Rhein-Haardt, die soziales Engagement in Sportvereinen würdigen will. Beworben hat sich die Stiftung zumindest.

Die große Nachfrage nach den Angeboten scheint dem Förderzentrum Recht zu geben, doch das bringt auch Probleme. „Wir müssen uns allmählich Gedanken machen, wie wir dieses Interesse zufriedenstellen können“, sagt Harald Stark. Vonnöten seien mehr Ehrenamtliche, die sich beispielsweise als Ballschultrainer zur Verfügung stellen. „Wir würden uns mehr Engagement von Senioren wünschen.“

Von den großen und berühmten Vereinen ist Klaus Johannes enttäuscht. Keiner habe bisher Unterstützung angeboten, obwohl doch kleine Clubs die Grundlagen für spätere Profisportler legten. „Wir haben uns alles sogar gegen Widerstände hart erarbeitet“, sagt er. „Dafür können wir jetzt sagen: Dieses Projekt macht bundesweit außer uns keiner. Es sollte möglichst viele Nachahmer finden.“ (ww)


STICHWORT Ballschule

Die Ballschule Heidelberg wurde 1998 als Kooperationsprojekt des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg, der FT Kirchheim  und lokalen Grundschulen gegründet, um Kindern zwischen fünf und acht Jahren das ABC des Ballspielens beizubringen. Dahinter steckt die Beobachtung, dass Kinder nur noch selten in Straßen, Parks oder auf Bolzplätzen mit dem Ball spielen und die Entwicklungsstörungen im motorischen, emotionalen und sozialen Bereich zunehmen.

In der Ballschule können sich die Grundschüler spielerisch und unter Anleitung in verschiedenen Ballsportarten ausprobieren, ihre speziellen Talente entdecken und die soziale Einbindung in eine Sportgruppe erleben. Das Projekt wird vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Das Förderzentrum Bobenheim-Roxheim ist einer von bundesweit sieben Stützpunkten der Heidelberger Ballschule und hat Aussichten demnächst zum „Zentrum“ aufzusteigen, um selbst Trainer auszubilden und neue Stützpunkte aufzubauen. (ww)


Quelle:

DIE RHEINPFALZ
Ausgabe 169, 23. Juli 2011

Artikel in der RHEINPFALZ als PDF

Sportförderung: „Motorik-ABC“ soll Kindern helfen

BOBENHEIM-ROXHEIM/GROSSNIEDESHEIM. Der Sportclub Bobenheim-Roxheim und der TuS Großniedesheim erhalten neben 22 weiteren Sportvereinen der Region Rhein-Neckar von der BASF Ludwigshafen je 3000 Euro für die Umsetzung eines neuartigen Bewegungsprogramms für Drei- bis Sechsjährige.

Nach Angaben des Ludwigshafener Chemieunternehmens zielt das „Motorik ABC“ auf die Verbesserung von Koordination, Konzentration, Sprache und sozialer Kompetenz bei Kindern ab. Nach Ansicht von BASF-Personalchef Hans-Carsten Hansen, der die Spenden an die Vereinsvertreter übergeben hat, sitzen viele Kinder zu viel vor dem Fernseher oder Computer und beherrschen oft einfachste motorische Fertigkeiten nicht mehr. Sie könnten beispielweise keinen Ball mehr fangen oder nicht mehr rückwärts laufen. „Deshalb fördern wir gezielt das Motorik ABC für Kindergarten- und Vorschulkinder in den regionalen Sportvereinen und unterstützen gleichzeitig die Jugendarbeit in den Vereinen“, so Hansen. 48 Clubs hatten sich bei der BASF für das diesjährige Sportspendenprojekt im Um- fang von 72.000 Euro beworben. Entscheidendes Auswahlkriterium waren die Bereitschaft und Möglichkeiten des Vereins, das Angebot umzusetzen. Das spezielle Programm wurde auf Initiative der BASF vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg entwickelt. Die Übungsleiter der teilnehmenden Sportvereine werden von einem Team der Ballschule Heidelberg für ihre Aufgabe qualifiziert und erhalten außerdem zusätzliches Lehrmaterial, Informationsbroschüren und Beratung. Ein bis zwei Stunden wöchentlich sollen Kinder gezielt mit dem Motorik-ABC gefördert werden, das gesamte Projekt ist auf drei Jahre angelegt. (rhp)


Quelle:

DIE RHEINPFALZ,   Publikation Frankenthaler Zeitung 
Ausgabe 85, 11. April 2011

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