Förderzentrum für Jugend und Soziales

Rettungseinsätzen

„Keiner ist zu klein, um Helfer zu sein“

Nils berichtet: Bei einem Erste-Hilfe-Kurs in Bobenheim Roxheim üben Grundschulkinder das richtige Verhalten in einer Notsituation
Bei dem Kurs zeigte Melanie Kunth (vorne links) den Kindern auch, wie man eine Rettungsdecke richtig benutzt. (Foto: Bolte)

Bobenheim-Roxheim. Stellt euch einmal vor, eure Mama fällt von der Leiter, verletzt sich dabei und außer euch ist keiner daheim. Keine schöne Vorstellung. Doch es ist wichtig, dass ihr dann wisst, was zu tun ist. 15 Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren haben nun erste Erfahrungen in der Ersten Hilfe gemacht. Einmal im Jahr bietet die Bernd-Jung-Stiftung in Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) Bobenheim Roxheim und dem Arbeiter-Samariter-Bund Frankenthal einen solchen Kurs für Kinder an.

Humpelnd und lachend kommen die Jungen und Mädchen aus dem Vereinshaus des SC Bobenheim-Roxheim. Sie tragen Verbände um Arme und Beine, ein Junge sogar um den Kopf. Freudig hinken sie auf den Rettungswagen zu, der auf dem Parkplatz steht. Doch die Schüler haben sich nicht wirklich verletzt. Es ist eine Szene des Erste-Hilfe-Kurses für Kinder, der unter dem Motto „Keiner ist zu klein, um Helfer zu sein“ steht.Wer richtig helfen will, der muss erst einmal wissen, wie man Hilfe holt. Deshalb zeigt Melanie Kunth, die seit 15 Jahren im Rettungsdienst tätig ist, wie man einen Notruf absetzt. Ihre vollständige Adresse zu nennen, fällt einigen Kindern dabei noch schwer. Deshalb übt Kunth mit allen, Straße, Hausnummer und Wohnort vollständig und deutlich dem Notrufdienst durchzugeben. Doch was tun, wenn man die Adresse nicht kennt? „Selbst zum Notdienst fahren“, meint ein Mädchen. Doch Kunth schüttelt mit dem Kopf. Sie prägt den Grundschülern ein, wie wichtig es ist, andere Leute um Hilfe zu bitten, wenn man selbst die Adresse nicht kennt. Denn der Rettungsdienst muss genau wissen, wo der Verletzte ist, um ihm schnellstmöglich zu helfen. „Ich merke mir das jetzt für immer“, freut sich Lea nach dem Spiel.

Durch den Kurs sollen die jungen Teilnehmer schon frühestmöglich lernen, wie sie sich in einer Notsituation zu verhalten haben. Wichtig ist auch, dass Eltern mit ihren Kindern früh über die Erstversorgung sprechen. Wo ist der Verbandskasten im Haus? Welche Nummer wähle ich im Falle eines Notfalls? Wie versorge ich alltägliche Verletzungen, wie zum Beispiel einen Wespenstich? Fragen, auf die Grundschulkinder eine Antwort kennen sollten.

Vorbilder für die Kenntnisse von Kindern in der Ersten Hilfe sind für Kunth Schweden und Norwegen. Schon ab dem Kindergartenalter übt man hier die Erste Hilfe, auch später im Erwachsenenalter sind regelmäßige Kurse verpflichtend. In Deutschland machen die meisten für den Führerschein ihren ersten Erste-Hilfe-Kurs. Hier gibt es also einigen Nachholbedarf, findet Kunth.

Weiter geht es mit dem Verbandskasten. In die Wärmedecken wickeln sich die Kinder trotz der Sommerhitze. „Die macht einen ja ganz warm“, staunt eine Teilnehmerin. Nachdem Kunth einem Mädchen einen Verband angelegt hat, wollen alle einen. „Er sieht wie Rotkäppchen aus“, amüsiert sich Luisa über Felix, dem Kunth einen Kopfverband macht.

Bei der Besichtigung des Rettungswagens sehen die Kinder nicht nur, wo man das Blaulicht und das Martinshorn einschaltet, sondern auch, wie die Rettungssanitäter die Trage aus dem Wagen bekommen und diese herumschieben können. „Ich kenne einen ganz langen Menschen, wie kommt der da drauf?“, fragt ein Teilnehmer. Gut, dass sich die Trage für groß gewachsene Menschen ausfahren lässt. Bestaunt wird auch der schwere Rettungsrucksack, mit welchem die Sanitäter oft mehrere Stockwerke hinaufsprinten.

Die Bernd-Jung-Stiftung möchte Kindern mit dem Kurs die Möglichkeit geben, erste Kenntnisse in der Ersten Hilfe zu vermitteln. „ Wir sollten Kinder nie unterschätzen“, meint Harald Stark, Geschäftsführer der Stiftung. Denn Kinder lernen sehr schnell, und die Hoffnung des Kurses ist, dass sie in der Notfallsituation ihr Wissen anwenden können.sol

NOCH FRAGEN?

Die Bernd-Jung-Stiftung bietet auf Anfrage auch Kurse für Grundschulen oder Kitas an. Infos unter Telefon 06239 995696.


Quelle Bild und Text: Die Rheinpfalz Frankenthaler Zeitung – Nr. 194, Mittwoch, den 22. August 2018 

 

„Toter Mann“ hilft bei Erschöpfung

BOBENHEIM-ROXHEIM: Bei der Aktion „Sicher am See“ bleiben die Mitglieder der DLRG trotz Anmeldungen unter sich

Von Marcel Marner

Unter dem Motto „Sicher am See“ sollten Kinder im Alter zwischen elf und 14 Jahren am Sonntag eigentlich lernen, wie die Arbeit eines Rettungsschwimmers aussieht. Eigentlich. Der Schnuppervormittag am Silbersee in Bobenheim-Roxheim, der die erste gemeinsame Aktion der Bernd-Jung-Stiftung und der Frankenthaler Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) werden sollte, fiel ins Wasser.

Die sechs in Rot-Gelb gekleideten Mitglieder der DLRG Frankenthal sitzen an einem Tisch vor ihrer Wachstation am Silbersee. Sie trinken Kaffee. Hinter ihnen erkennt man viele Utensilien, die bei Rettungseinsätzen auf dem Wasser benötigt werden. Sogar ein Rettungsboot haben die Schwimmer aus Frankenthal mitgebracht. Es ist fast 10 Uhr. Vor einer Stunde hätte der Kurs losgehen sollen. Wenig Sonne, kühler Wind. Ist das Wetter der Grund dafür, dass weit und breit kein Kind in Sicht ist, das wissen will, was ein Rettungsschwimmer so macht? Sascha Müller, Vorsitzender der Ortsgruppe, befindet sich unter den DLRGlern, die heute an den Silbersee gekommen sind. „Wir wollten auch mal etwas für Nichtmitglieder machen“, erklärt er. Deshalb sei der Termin bewusst in die Ferienzeit gelegt worden. „Wir hatten sogar vier Voranmeldungen, von denen aber bisher niemand aufgetaucht ist.“

Für das Konzept der Aktion ist Daniel Alvarez verantwortlich. „Eigentlich war das Programm für zwölf bis 15 Kinder ausgelegt“, sagt der 25-jährige Frankenthaler, der vor zwei Jahren seinen Lehrschein gemacht hat. „Wir haben uns überlegt, was die Kinder interessieren könnte und was am Silbersee machbar ist.“ Im Konzeptentwurf wird eine Ausgangssituation beschrieben, nach der sich eine Gruppe Jugendlicher am See befindet. Es wird gefragt: „Was kann ich tun, wenn jemand um Hilfe schreit?“

Zu den geplanten Programmpunkten hätten unter anderem eine Vorstellung der DLRG-Station am Silbersee Einblicke in die Arbeit der Organisation und die Unterschiede zwischen dem Baden in einem Schwimmbecken und in einem See gezählt. „Ein See ist zum einen viel größer als ein Becken“, erläutert Ausbilder Alvarez, der seit 1994 bei der DLRG mitmacht. „Zum anderen sieht man in einem See oft nicht, was sich unter einem befindet.“ Viele Menschen fänden dies etwas beängstigend. Für Schwimmer mit Kreislaufproblemen könnten plötzliche Temperaturunterschiede natürlicher Gewässer zur Gefahr werden.

Neben der Fremdrettung hätten die Teilnehmer der Veranstaltung auch gelernt, wie man sich im Wasser verhält, wenn man plötzlich Muskelkrämpfe bekommt. Bei einem Wadenkrampf hilft es laut Alvarez, das Bein auszustrecken und die Zehenspitzen nach oben zu ziehen. Sollte man einmal zu weit rausgeschwommen und zu erschöpft sein, um es wieder bis zum Ufer zu schaffen, helfe immer noch der „tote Mann“: auf den Rücken legen und auf der Wasseroberfläche treiben, um sich auszuruhen. Dass es entspannender sei, sich auf den Bauch zu legen und ab und zu zum Atmen den Kopf zu heben, sei vielen Menschen nicht bewusst.

Auch wenn sich der Silbersee für Rettungsübungen und -vorführungen eignet, geschehen hier laut DLRG-Mitglied Kathrin Thomas eher selten schwere Unfälle. „Ertrunken ist hier glücklicherweise schon lange niemand mehr. Die Leute kommen eher zu uns, wenn sie von einer Biene gestochen wurden oder in Glasscherben getreten sind.“ Müller bestätigt das: „Vor Kurzem hat uns sogar jemand gefragt, ob wir Strom haben, um ein Schlauchboot aufzublasen.“

Das Ziel von Veranstaltungen wie dieser ist laut Thomas nicht nur die Gewinnung von Nachwuchs für den Rettungsdienst: „Wir haben auch gemerkt, dass es immer mehr Kinder gibt, die nicht schwimmen können. In vielen Kommunen gibt es nur noch Spaßbäder, in denen keine Schwimmkurse angeboten werden.“ Das macht die Tatsache, dass die Aktion so wenig Anklang findet, umso enttäuschender.

Die anwesenden Rettungsschwimmer tragen es mit Fassung und haben für jeden Spaziergänger, der an ihrer Station vorbeikommt, einen netten Gruß auf den Lippen.

                                                                                                                                                                                                                       

Quelle: Die Rheinpfalz – Frankenthaler Zeitung Ausgabe 198,  27. August 2014

 

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