Förderzentrum für Jugend und Soziales

Stimmung

Am Anfang steht ein zerstückelter Teddybär

BOBENHEIM-ROXHEIM: Der Bundesverband Gewaltprävention Selbstbewusst & Stark ist regelmäßiger Gast beim Förderzentrum der Bernd-Jung-Stiftung. Die Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu den Themen Mobbing, Selbstbehauptung und Streitschlichten sind sehr beliebt. Wir haben einmal in den Lehrgang zum Gewaltpräventionstrainer hineingeschnuppert.

Von Kirsten Hönicke

Im Volkshochschulraum in der Bobenheim-Roxheimer Realschule sitzen zwölf Menschen, die ihre Grundausbildung zum Gewaltpräventionstrainer beginnen. Vor ihnen auf dem Tisch liegen eine Informationsmappe und ein Teddybär. Die Stimmung ist ruhig und konzentriert, man kennt sich noch nicht. Schließlich kommen die Frauen und Männer zum Teil von weiter her, aus Wiesbaden oder dem Hunsrück. Alle haben den Wunsch, von Kelly Sach und seinen Kollegen vom Bundesverband Gewaltprävention Selbstbewusst & Stark zu lernen, wie man Gewalt in jeder Form verhindern oder zumindest richtig darauf reagieren kann. Alle arbeiten mit Kindern und Jugendlichen, manche auch mit Erwachsenen. Sie wollen nicht nur selbst vorbeugend tätig werden, sondern auch als Multiplikatoren wirken, also Mitarbeiter und Kollegen anleiten.Tino Inglese beispielsweise betreibt in Darmstadt eine Kampfsportschule. Er möchte „erst mal für sich“, später auch für die anderen Trainer seiner Schule Methoden der Gewaltprävention kennenlernen, weil er in jüngster Zeit einen starken Zulauf an Kindern hat. Im Kampfsportunterricht und eventuell in extra Kursen, die er Schulen anbieten will, soll das Gelernte zum Einsatz kommen.

Sach stellt sich der Runde vor und erklärt gleich, was es mit dem Teddy auf sich hat. So einen nimmt er mit in die Schulen, die ihn rufen, um mit Schülern über Mobbing zu sprechen. Zuvor lässt er sich von den Lehrern Namenslisten mit Anmerkungen schicken: Wer sind die Mobbingopfer in der Klasse, wer die Täter? Auf die Täter geht er gezielt zu und gibt ihnen gleich am Anfang den Teddy. „Das ist ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Schulen“, erklärt er den Kindern. Die Aufgabe sei, den Bären so schnell wie möglich in Stücke zu reißen. „Im Schnitt“, sagt Sach, „brauchen die Kinder dazu eine bis zwei Minuten.“ Dann holt er Nähzeug aus der Tasche und gibt es den Tätern. „Denn zum Wettbewerb gehört auch, den Teddy wieder zusammenzunähen.“ Es dauere dann etwa zwei bis drei Stunden, bis das Stofftier halbwegs aussieht wie vorher. „So schnell geht es, einen Menschen kaputt zu machen, und so lange dauert es, ihn wieder zu flicken“, ist die Botschaft, die Kelly Sach den Kindern damit anschaulich vermittelt. Die C-Kurs-Teilnehmer in Bobenheim-Roxheim, die gleich ins Thema Kommunikation und Körpersprache einsteigen werden, sind beeindruckt.

Im A-Kurs, der an diesem Tag ebenfalls angeboten wird, sitzen zehn „alte Hasen“. Simone Holzhäuser-Sutter und Jutta Köhler haben die C- und B- Zertifikate schon in der Tasche. Sie fühlen sich wohl in der Gruppe, die seit dem ersten Termin im März 2015 zusammen alle Stufen der Ausbildung durchläuft und es „bis zum Schluss durchziehen will“, wie Holzhäuser-Sutter versichert. Alle duzen sich, der Ton ist lebhaft, es wird viel gelacht, Erfahrungen und Erlebtes werden ausgetauscht. Was im C-Kurs noch allgemein gehalten war und im B-Kurs konkreter wurde, soll jetzt intensiviert und geübt werden.

Dazu gehören praktische Einheiten wie Rollenspiele zur richtigen Anwendung von Mimik und Gestik. Einiges aus den Kursen konnten die Teilnehmer schon anwenden. Köhler spricht von einem Mobbingfall, bei dem ihr die neu erworbenen Kenntnisse gleich weitergeholfen hätten. Konkret werden will sie nicht, weil man im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit in der Kinder- und Jugendhilfe die beteiligten Personen identifizieren könnte.

Kelly Sach hat den Bundesverband Gewaltprävention mit Gleichgesinnten gegründet, um in bundesweiten Kooperationen Gewalt- und Suchtprobleme verhindern zu helfen – sowohl in der direkten Arbeit mit Betroffenen als auch über sogenannte Gewaltpädagogen, die vom Verband ausgebildet werden.

Wie wichtig solche Schulungen sind, bestätigt Bernd Lützkendorf, Beauftragter für Gewaltprävention beim TSV Auerbach. Er will in den drei Kursen lernen, wie er die anderen Übungsleiter im Verein unterrichten kann. „Es geht nicht nur um die Vorbeugung von physischer Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Wir bemühen uns auch, die Übungsleiter für sexuelle Gewalt zu sensibilisieren, damit sie nicht wegschauen, wenn so etwas im Verein oder im Zuhause der Kinder geschieht.“

Vor etwa zehn Jahren habe es in seinem Verein sexuelle Übergriffe auf Jugendliche während eines Zeltlagers gegeben. Damals waren alle hilflos, und das soll nie mehr so sein. Das zu verhindern und der zunehmenden Gewaltbereitschaft unter Kindern und Jugendlichen etwas entgegenzusetzen, dafür lassen Lützkendorf und viele andere sich fit machen.

Zur Sache: Gewaltpräventionskurse bei der Bernd-Jung-Stiftung

Der Verein Selbstbewusst & Stark ist seit 2010 Bundesverband für Gewalt- und Suchtprävention und bietet Schulungen in Kindergärten, Schulen, Jugendeinrichtungen, Vereinen und Verbänden an. Sein Ziel ist es, mit Aufklärung, Sensibilisierung und Prävention gegen die vielen Formen von Gewalt zu wirken, auch in medialer Form.

Kindesmissbrauch und sexualisierte Gewalt, Mobbing, Cybermobbing, Fremdenfeindlichkeit, Sucht und alle Arten von Konflikten und physischer Gewalt sind Themen, die mit den Betroffenen direkt oder mit den Verantwortlichen aus den Institutionen in Kursen, Workshops und Projektwochen aufgearbeitet werden. Als Gewaltpräventionstrainer kann sich vom Verband bundesweit jeder ausbilden lassen, der sein Wissen als Multiplikator an alle weitergeben möchte, die mit diesen Problemen beruflich, privat oder im Ehrenamt zu tun haben.

Die Bernd-Jung-Stiftung in Bobenheim-Roxheim ist mit ihrem Förderzentrum für Jugend und Soziales seit Januar Ehrenmitglied des Bundesverbands Selbstbewusst & Stark und bietet im Laufe dieses Jahres weitere Kurse an. Nähere Informationen gibt’s im Internet unter www.bernd-jung-stiftung.de oder www.selbstbewusst-und-stark.de. (khö)


 

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation:
Frankenthaler Zeitung
Ausgabe: Nr.45
Datum: Dienstag, den 23. Februar 2016

 

Grätschen verboten

Fussball: BSV-Elf gewinnt Turnier für Behinderte und Nichtbehinderte – Pälzer Parre dominieren Aktivenspiele

BOBENHEIM-ROXHEIM. Das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten fördern – das ist am Samstag beim integrativen Fußballturnier auf dem Gelände des Sportclubs (SC) Bobenheim-Roxheim gelungen. Ausrichter war der Behindertensportverein (BSV) Frankenthal in Kooperation mit der Bernd-Jung-Stiftung. Den Turniersieg holte erwartungsgemäß die erste BSV-Elf. Beim Blitzturnier für aktive Mannschaften setzten sich die Pälzer Parre durch.

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, in denen das Turnier in der Halle ausgetragen worden war, gab es diesmal eine Freiluftpremiere auf dem Kunstrasenplatz des Sportclubs. Acht Mannschaften, die größtenteils von Einrichtungen wie Behindertenwerkstätten, Lebenshilfen oder Fördervereinen gestellt wurden, spielten auf dem Kleinfeld gegeneinander. Von der ersten Spielminute an war zu sehen, dass die körperlich und geistig beeinträchtigten Spieler den nichtbehinderten Akteuren an Leidenschaft in nichts nachstanden. Immer wieder waren Rufe zu hören wie „zieh doch ab“ oder „spiel doch“.Die Frankenthaler wurden ihrer Favoritenrolle vollauf gerecht und holten mit ihrer ersten Mannschaft den Gesamtsieg, was laut BSV-Trainer Willi Maffenbeier auch das Ziel des Vereins war: „Wir sind aktuell landesweit eines der besten Teams in der Sparte, und die Jungs wollten heute unbedingt gewinnen.“ Aber auch die Mannschaften der Behinderten-Werkstätten aus Bad Dürkheim waren präsent: Team I wurde Zweiter, Team II erreichte den fünften Platz. Auch die Lebenshilfe aus Mannheim-Sandhausen (Platz drei) entpuppte sich als ernstzunehmende Konkurrenz. Und mit dem vierten Platz des BSV II war Trainer Maffenbeier ebenfalls zufrieden.

Beim folgenden Blitzturnier für aktive Mannschaften traten vier Teams auf dem Großfeld gegeneinander an. Besonders gefreut haben sich die BSV-Verantwortlichen über die Teilnahme der Pälzer Parre, die eine der bekanntesten Pfarrermannschaften Deutschlands sind und bereits international bei Benefizspielen mitgewirkt haben. Das Team habe direkt zugesagt, freuten sich die Organisatoren. Dabei überzeugten die Pfarrer nicht nur menschlich. Auch auf dem Platz glänzten sie und holten souverän den Gesamtsieg. Auch die Behinderten-Landesauswahl schlug sich gut. Sie schaffte es, in jeder Partie mindestens ein Tor zu schießen, was nach eigener Aussage ihr einziges Ziel gewesen war.

Mit dem Ablauf des Turniers waren alle Teilnehmer zufrieden. Nur das Wetter hätte besser sein können. Vom strömenden Regen ließen sich die Fußballer aber nicht die Stimmung vermiesen. Mit großer Leidenschaft wurde um jeden Ball gekämpft. Manchmal, meinte Maffenbeier, müsse er seine Jungs schon bremsen. Weil Bayern-München-Profi Philipp Lahm der einzige Fußballspieler sei, der grätschen könne, habe man entschieden, auf hartes Einsteigen zu verzichten, erklärte der BSV-Coach schmunzelnd. „Wir hatten schon einige Verletzungen durch falsche Grätschen. Deshalb lassen wir das sein und spielen lieber Fußball.“

Auch beim Ostercup der Bad Dürkheimer Werkstätten am heutigen Mittwoch will der BSV Frankenthal wieder angreifen. „Auch hier wollen wir in unserer Klasse als Sieger vom Platz gehen“, unterstrich Willi Maffenbeier. Gespielt wird ab 9.15 Uhr im Werner-Heisenberg-Gymnasium und in der Carl-Orff-Realschule. Dann auch wieder in der Halle. (ki) 

                                                                                                                                         

Quelle und Text: Die Rheinpfalz – Frankenthaler Zeitung – Nr. 81. Mittwoch, den 8. April 2015

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