Förderzentrum für Jugend und Soziales

Vorsitzender

Naturtalent fürs Organisieren und Finanzieren

Gegenüber: Bernd Jung, ein begnadeter Strippenzieher für den guten Zweck, wird heute 75 Jahre alt – Mitinitiator der Sportvereinsfusion

Von Waltraud Werdelis

BOBENHEIM-ROXHEIM. Bernd Jung – mit diesem Namen verbinden die Bobenheim-Roxheimer einen leidenschaftlichen Sportplatzbauer, die RHEINPFALZ-Leser einen fleißigen Hobbyjournalisten und viele Eltern eine Stiftung, die in der Region ihresgleichen sucht. Am heutigen Samstag wird der Roxheimer, der diesen Namen trägt, 75 Jahre alt.

Sucht man im Pressegespräch anlässlich des Geburtstags den Privatmenschen Bernd Jung, landet man unweigerlich immer wieder bei dem Funktionär. Es scheint, als habe er keine Freizeitbeschäftigung so gern wie das Organisieren und Finanzieren von Projekten, die man unter den Begriff Gemeinwohl stellen könnte.Setzen wir im Jahr 1994 an, als die Fusion dreier Sportvereine vollzogen wurde: SG Bobenheim, SV Roxheim und DJK Roxheim. „Die waren alle drei sportlich gut, aber die jeweilige Führungsriege zu besetzen, war schwierig“, sagt Bernd Jung, der der DJK 1966 mit der Hilfe von in Worms stationierten US-Soldaten zum Sportplatz am Binnendamm und 1971 zu einem Tennenplatz verholfen hatte. Mit SG-Chef Walter Stockert habe er damals über eine Zusammenlegung der Vereine nachgedacht, „und innerhalb weniger Monate haben wir alle Abteilungen von der Idee überzeugen können“. Nur fünf von insgesamt 2200 Mitgliedern seien deswegen ausgetreten. „Dafür sind 100 neu dazugekommen“, sagt Jung, der sich noch gut an die Aufmerksamkeit überregionaler Medien erinnern kann.

Um das Jahr 2000 herum musste der wohlmeinende Strippenzieher im Hintergrund dann wegen eines Rücktritts und eines Todesfalls im Vorstand des neuen Sportclubs (SC) Bobenheim-Roxheim für kurze Zeit in die erste Reihe des Vereins. Da war er zum Glück nach über 30 Jahren nicht mehr als Autor für die Frankenthaler Lokalausgabe der RHEINPFALZ tätig. Denn in dieser Funktion hatte er größten Wert darauf gelegt, Journalismus und Bobenheim-Roxheimer Vereins- und Politikerinteressen nicht zu vermischen, objektiv und unabhängig zu sein.

Das Talent von Bernd Jung, der bis 1997 im kaufmännischen Bereich beim Frankenthaler Pumpen- und Armaturenhersteller KSB gearbeitet hat, war vor wenigen Jahren für den SC wieder äußerst wertvoll, als der Wunsch nach einer Kunstrasenanlage entstand. Bernd Jung sorgte als „Sportplatzbeauftragter“ dafür, dass ein Großfeld, zwei Kleinspielfelder und ein Mehrzweckfeld 2012 mithilfe eines Landeszuschusses fertig wurden, obwohl sich die Kosten wegen eines Entwässerungsproblems auf rund 900.000 Euro summiert hatten. „Der Verein hat uns freie Hand gelassen“, lobt Jung den SC-Vorstand. Mit „uns“ meint er auch „die zwei Praktiker“ Artur Hiebel und Werner Wandel. Aktuell habe der Sportclub wegen der Anlage gerade mal noch 50.000 Euro Schulden.

Das alles wäre vielleicht nicht so reibungslos verlaufen, wenn Bernd Jung nicht 290.000 Euro zwischenfinanziert hätte. Und zwar als Vorsitzender der nach ihm benannten Stiftung. Die hat er gegründet, nachdem 1996 die Gäste einer Geburtstagsfeier Kleingeld in einen Spendenkorb gelegt hatten, rund 350 D-Mark. „Das sollte ich für die Jugendarbeit verwenden, was ich natürlich nicht gemacht habe“, sagt Jung schmunzelnd. Stattdessen suchte er Firmensponsoren und private Spender, die den Betrag stetig aufstockten. „Als ich 2003 so um die 50.000 D-Mark zusammen hatte, wurde die Stiftung gegründet“, berichtet der Roxheimer.

Deren Zweck ist die sportliche Förderung der Vereinsjugend des SC Bobenheim-Roxheim. Aber die Stiftung, deren unantastbares Kapital heute mehrere Hunderttausend Euro beträgt und die inzwischen hauptamtlich von Harald Stark geleitet wird, unterhält auch ein Förderzentrum für Jugend und Soziales, das sich allgemein um die Förderung von Kindern und Jugendlichen in Sport, Schule, Lebensumfeld und Ausbildung bemüht (wir berichteten). Das Zentrum wurde im vergangenen Jahr mit dem Titel „Pilotprojekt“ von der Landesregierung geadelt und ist ein Beispiel für professionelles Netzwerken. Vom Arbeiter-Samariter-Bund über die Ballschule der Uni Heidelberg bis zur Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat die Stiftung zahlreiche Kooperationspartner, die nach dem Win-win-Prinzip in Bobenheim-Roxheim Kurs- und Freizeitangebote für Familien machen. Und die würden sehr gut angenommen, sagt der mit zahlreichen Ehrungen bedachte Senior. Sogar aus Rostock seien schon Anmeldungen für Kurse eingegangen.

Wie Bernd Jung die wundersame Geldvermehrung geschafft hat, was es für ihn bedeutete, in jungen Jahren wegen eines Hüftleidens den Fußballsport aufgegeben oder aus finanziellen Gründen kein Abitur gemacht zu haben: All diese Fragen müssen an dieser Stelle unbeantwortet bleiben, denn es stellt sich am 75. Geburtstag heute noch die Frage nach seiner Familie und den ganz persönlichen Beschäftigungen. „Ich bin seit 52 Jahren mit meiner Frau Gerlinde verheiratet, habe eine Tochter und einen Sohn sowie zwei Enkelkinder, die zur Feier im kleinen Kreis kommen“, verrät Bernd Jung. Urlaub macht er zwei- bis dreimal im Jahr, aber nicht in fernen Ländern, am liebsten an der Ostsee. Der Garten wird gerade altersgerecht umgestaltet („Aber der Fischteich, der bleibt“), und ein Buch über Bobenheim-Roxheim seit der Fusion 1968 ist in Arbeit. Ansonsten ist da noch das aus Lebenserfahrung erwachsene Motto von Bernd Jung: „Von Leuten, die alles besser wissen, aber nichts tun, halte ich mich fern.“

                                                                                                                                                  

Quelle: Die Rheinpfalz – Frankenthaler Zeitung – Nr. 26 Samstag, den 31. Januar 2015

„Toter Mann“ hilft bei Erschöpfung

BOBENHEIM-ROXHEIM: Bei der Aktion „Sicher am See“ bleiben die Mitglieder der DLRG trotz Anmeldungen unter sich

Von Marcel Marner

Unter dem Motto „Sicher am See“ sollten Kinder im Alter zwischen elf und 14 Jahren am Sonntag eigentlich lernen, wie die Arbeit eines Rettungsschwimmers aussieht. Eigentlich. Der Schnuppervormittag am Silbersee in Bobenheim-Roxheim, der die erste gemeinsame Aktion der Bernd-Jung-Stiftung und der Frankenthaler Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) werden sollte, fiel ins Wasser.

Die sechs in Rot-Gelb gekleideten Mitglieder der DLRG Frankenthal sitzen an einem Tisch vor ihrer Wachstation am Silbersee. Sie trinken Kaffee. Hinter ihnen erkennt man viele Utensilien, die bei Rettungseinsätzen auf dem Wasser benötigt werden. Sogar ein Rettungsboot haben die Schwimmer aus Frankenthal mitgebracht. Es ist fast 10 Uhr. Vor einer Stunde hätte der Kurs losgehen sollen. Wenig Sonne, kühler Wind. Ist das Wetter der Grund dafür, dass weit und breit kein Kind in Sicht ist, das wissen will, was ein Rettungsschwimmer so macht? Sascha Müller, Vorsitzender der Ortsgruppe, befindet sich unter den DLRGlern, die heute an den Silbersee gekommen sind. „Wir wollten auch mal etwas für Nichtmitglieder machen“, erklärt er. Deshalb sei der Termin bewusst in die Ferienzeit gelegt worden. „Wir hatten sogar vier Voranmeldungen, von denen aber bisher niemand aufgetaucht ist.“

Für das Konzept der Aktion ist Daniel Alvarez verantwortlich. „Eigentlich war das Programm für zwölf bis 15 Kinder ausgelegt“, sagt der 25-jährige Frankenthaler, der vor zwei Jahren seinen Lehrschein gemacht hat. „Wir haben uns überlegt, was die Kinder interessieren könnte und was am Silbersee machbar ist.“ Im Konzeptentwurf wird eine Ausgangssituation beschrieben, nach der sich eine Gruppe Jugendlicher am See befindet. Es wird gefragt: „Was kann ich tun, wenn jemand um Hilfe schreit?“

Zu den geplanten Programmpunkten hätten unter anderem eine Vorstellung der DLRG-Station am Silbersee Einblicke in die Arbeit der Organisation und die Unterschiede zwischen dem Baden in einem Schwimmbecken und in einem See gezählt. „Ein See ist zum einen viel größer als ein Becken“, erläutert Ausbilder Alvarez, der seit 1994 bei der DLRG mitmacht. „Zum anderen sieht man in einem See oft nicht, was sich unter einem befindet.“ Viele Menschen fänden dies etwas beängstigend. Für Schwimmer mit Kreislaufproblemen könnten plötzliche Temperaturunterschiede natürlicher Gewässer zur Gefahr werden.

Neben der Fremdrettung hätten die Teilnehmer der Veranstaltung auch gelernt, wie man sich im Wasser verhält, wenn man plötzlich Muskelkrämpfe bekommt. Bei einem Wadenkrampf hilft es laut Alvarez, das Bein auszustrecken und die Zehenspitzen nach oben zu ziehen. Sollte man einmal zu weit rausgeschwommen und zu erschöpft sein, um es wieder bis zum Ufer zu schaffen, helfe immer noch der „tote Mann“: auf den Rücken legen und auf der Wasseroberfläche treiben, um sich auszuruhen. Dass es entspannender sei, sich auf den Bauch zu legen und ab und zu zum Atmen den Kopf zu heben, sei vielen Menschen nicht bewusst.

Auch wenn sich der Silbersee für Rettungsübungen und -vorführungen eignet, geschehen hier laut DLRG-Mitglied Kathrin Thomas eher selten schwere Unfälle. „Ertrunken ist hier glücklicherweise schon lange niemand mehr. Die Leute kommen eher zu uns, wenn sie von einer Biene gestochen wurden oder in Glasscherben getreten sind.“ Müller bestätigt das: „Vor Kurzem hat uns sogar jemand gefragt, ob wir Strom haben, um ein Schlauchboot aufzublasen.“

Das Ziel von Veranstaltungen wie dieser ist laut Thomas nicht nur die Gewinnung von Nachwuchs für den Rettungsdienst: „Wir haben auch gemerkt, dass es immer mehr Kinder gibt, die nicht schwimmen können. In vielen Kommunen gibt es nur noch Spaßbäder, in denen keine Schwimmkurse angeboten werden.“ Das macht die Tatsache, dass die Aktion so wenig Anklang findet, umso enttäuschender.

Die anwesenden Rettungsschwimmer tragen es mit Fassung und haben für jeden Spaziergänger, der an ihrer Station vorbeikommt, einen netten Gruß auf den Lippen.

                                                                                                                                                                                                                       

Quelle: Die Rheinpfalz – Frankenthaler Zeitung Ausgabe 198,  27. August 2014

 

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