Förderzentrum für Jugend und Soziales

Familien

„In Philosophie und Denken den Weg weiter gehen“

BOBENHEIM-ROXHEIM: Harald Stark, Geschäftsführer der Bernd-Jung-Stiftung, zieht Bilanz / Rückblick und Ausblick im Gespräch mit dem NK

„Wer rastet, der rostet!“ Harald Stark, Geschäftsführer BJS und KiDZ Jugendhilfe aus Bobenheim-Roxheim im Gespräch mit dem NK.                          Foto: Steffen Heumann

VON STEFFEN HEUMANN:
Am morgigen Sonntag blickt Harald Stark, Geschäftsführer der Bernd-Jung-Stiftung (BJS) und KiDZ-Jugendhilfe, auf sechs Lebensjahrzehnte zurück. Allerdings richtet der Jubilar den Blick auch in die Zukunft des Stiftungswerkes. Ein Anlass, um beim Kooperationspartner des NK in Bobenheim-Roxheim anzufragen, wohin die Reise geht und ob sich ein Lebenstraum bereits erfüllen ließ. Eigener Nachwuchs war nie geplant, trotzdem entwickelte sich der Bereich Kinder und Jugend im Leben von Harald Stark zur Kernkompetenz. Der gebürtige Wormser und talentierte Fußballer, der unter anderem beim VfR Wormatia die Zeit mit Fußball-Legenden im Trikot des Traditionsvereins erleben durfte, wechselte bereits zur aktiven Zeit auf die Trainerseite. Als Fußballtrainer hatte er viel mit Kids zu tun. „Da kam viel zurück“, erklärt Stark, für den das positive Feedback aus dem Fußball-Nachwuchsbereich immer Ansporn und Motivation war.

Hoffnungen auf eine eigene Karriere im Fußball musste Harald Stark aufgrund gesundheitlicher Probleme früh „abschenken“. Dem Trainerdasein huldigte Stark parallel zu seinem beruflichen Wirken in Handwerk und Vertrieb, bis sich sein Fokus auf eine neue Herausforderung richtete. „Zentrales Ereignis war die Begegnung mit Bernd Jung“, so Stark. Der Stiftungsgründer aus Bobenheim-Roxheim avancierte zum Mentor und Ratgeber. „Seine Lebenserfahrung war ein riesiger Gewinn, für mich und die Entwicklung der Stiftung“, erläutert Harald Stark, der sich seit 2008 ehrenamtlich für die Stiftung engagierte. 2009 kam das Förderzentrum für Jugend & Soziales unter dem Dach der Stiftung hinzu. 2014 folgte der nächste logische Schritt: die Hauptamtlichkeit als Geschäftsführer der BJS. „Von der Berufung zum Beruf“, ergänzt Harald Stark.

Stillstand ist Rückschritt

Das Credo von Bernd Jung und Harald Stark galt von Anfang an der Weiterentwicklung der Stiftungsarbeit. Stillstand propagieren beide bis heute als Rückstand. Netzwerken über das über normale Pensum der Arbeitswoche hinaus wurde zum Programm. Akribisches Wirken, Beharrlichkeit, aber auch die nötige Gelassenheit ebneten den Weg der BJS, um als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt zu werden. Um diese Tätigkeit auf eine breite Basis zu stellen, gründete die Bernd-Jung-Stiftung 2018 als alleinige Gesellschafterin die KiDZ-Jugendhilfe – eine gemeinnützige GmbH. Hier übernahm Harald Stark ebenfalls die Geschäftsführung. Bis Ende 2019 wurden neun Arbeitsplätze geschaffen, 2020 folgten weitere sieben Mitarbeiter, die das Team der KiDZ-Jugendhilfe in den Bereichen SGB VIII und SGB IX unter anderem als Integrationskräfte und Eingliederungshilfen unterstützen.

„Natürlich arbeiten wir bereits an der Realisierung weiterer Ideen“, so Harald Stark. Auch mit 60 Jahren kennt der Tausendsassa in Sachen Stiftungsarbeit keine Langeweile. „Nur Corona bremst uns ein bisschen aus“, bedauert Stark, der sich inzwischen privat in Frankenthal heimisch fühlt. Er hofft, dass die Kursangebote an der Volkshochschule ebenso wie die Ballbewegungsschule bald wieder regelmäßig stattfinden können. „Aber die BJS kann auch Krisenmanagement“, versichert Harald Stark, der noch viele Jahre am Ball bleiben möchte. Mit Unterstützung von Förderern und Sponsoren, der konstruktiven Zusammenarbeit mit Kommunen sowie Netzwerkpartnern wie der Fußballschule von Axel Roos sei noch vieles möglich. Gerne erinnert sich Stark an die erfolgreiche Typisierungsaktion für die Stefan-Morsch-Stiftung am Globus-Markt in Bobenheim-Roxheim, die Organisation von Benefizkonzerten mit den Mainzer Hofsängern oder dem Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz. Die Ausrichtung eines Blindenfußallturnieres der Fußball-Nationalmannschaften unter der Schirmherrschaft von Dr. Markus Merk zählt der Geschäftsführer ebenfalls zu den Meilensteinen der Stiftungsarbeit.

Volle Aufmerksamkeit gilt vor allem der KiDZ-Jugendhilfe. Der Bedarf an flexiblen Konzepten für pädagogische Hilfestellungen sei hoch. Die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien stehe weiterhin im Mittelpunkt der von Nachhaltigkeit geprägten Tätigkeit. Ein Wunsch zum morgigen Ehrentag? „Meinen Traumberuf habe ich ja gefunden, jetzt möchte ich in Philosophie und Denken den Weg der Stiftung und von KiDZ noch viele Jahre weiter gehen“, betont Harald Stark.

Weitere Infos unter bernd-jung-stiftung.de und kidz-jugendhilfe.de


Text und Bild: Nibelungen Kurier Worms, Ausgabe 28.11.2020

„Kinder brauchen keine Extrawurst“

Bobenheim-Roxheim: Ernährungswissenschaftlerin Claudia Zein-Schuld über die Vorbildfunktion von Eltern

Mit ihrer Vorbildfunktion sollen Eltern ihre Kinder in die richtige Ernährungsspur bringen. Dafür plädiert Ernährungswissenschaftlerin Claudia Zein-Schuld. Und dafür, dass Kinder Lebensmittel spielerisch erkunden und in die Zubereitung einbezogen werden. Am Mittwoch, 4. März, kommt sie auf Einladung der Bernd-Jung-Stiftung mit der Aktion „Fühlen wie’s schmeckt“ nach Bobenheim-Roxheim.

Ist der richtige Riecher wichtig beim Essen?Ja. Er ist mit dafür entscheidend, wie man Lebensmittel schmecken kann. Der Erdnusstest wird eine der fünf Sensorikstationen sein, die ich in Bobenheim-Roxheim Vorschulkindern vorstellen werde. Die Kinder sollen erfahren, dass sich das Essen nicht nur im Mund abspielt. Sie lernen über ihre fünf Sinne das komplexe Thema der Ernährung kennen.

Was zeigt uns der Erdnusstest?Er zeigt, wie wichtig die Nase beim Schmecken ist. Sie kauen eine geröstete, gesalzene Erdnuss und halten dabei die Nase zu. Dann schmecken Sie die Nussaromen nicht, nur das Salz. Das kennen wir vom Schnupfen: Ist die Nase verstopft, schmeckt das Essen nicht so gut.

Was können Eltern zu einer gesunden Ernährung beitragen? Ich bin Vorbild für meine Kinder bei guten Essgewohnheiten. Was esse ich? Was kommt zu Hause auf den Esstisch? Familien sollen gemeinsam und in Ruhe essen. Mit Ermahnungen wie „Wenn du zu viel Süßes isst, wirst du später krank“ können Kinder nichts anfangen. Weil das viel zu weit in die Zukunft reicht. Gesunde und ausgewogene Ernährung sollte daheim erlebbar sein.

Im Zuge der Ganztagsbetreuung essen Kinder häufiger in Kitas und Schulen. Da haben Eltern doch weniger Möglichkeiten zu steuern.Das stimmt. Aber ich kann mir als Eltern anschauen, was dort serviert wird. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung hat Qualitätsstandards aufgestellt für die Verpflegung in Bildungseinrichtungen.

Dann kann ich mich einfach auf diese Standards verlassen?Nicht jede Kita und Schule kocht nach diesen Qualitätsstandards. Das ist keine Pflicht.

Ändert sich der Geschmack von Kindern im Laufe der Jahre?Der Geschmack ändert und entwickelt sich auf jeden Fall mit dem Älterwerden. Teenager müssen sich abgrenzen von dem, was Eltern auf den Tisch stellen, und essen dann auch mal Fast Food. Aber nach der Pubertät werden sie vernünftiger und können auf die gesunden Essgewohnheiten, die sie daheim erfahren haben, wieder zurückgreifen.

Ein geflügelter Satz von Eltern ist: Mit Essen darf man nicht spielen. Würden Sie das unterschreiben?Es kommt darauf an, wie ich damit spiele. Wenn ich ein Brotgesicht lege oder mit buntem Obst und Gemüse Mandalas lege, dann ist das toll.

Nun ist der Mensch evolutionsbiologisch auf Süßes programmiert. Sind Eltern da nicht machtlos?Es geht um das Maß. Kinder sollen lernen, maßvoll mit Süßem umzugehen. Je süßer wir essen, umso süßer wird unser Geschmack. Dann schmeckt uns ein Naturjoghurt mit frischem Obst weniger als ein Fruchtjoghurt mit sehr viel Zucker. Wenn ich selber naturbelassen koche, präge ich die Vorlieben meines Kindes.

Wenn ich immer nur Produkte mit künstlichen Geschmacksverstärkern verzehrt habe, habe ich dann überhaupt noch eine Chance, mich umzustellen?Das wird schwer werden. Liebgewonnenes Verhalten ist schwer abzulegen. So ist es auch beim Ernährungsverhalten, das eng mit unserer Psyche verknüpft ist.

Wie kann man Kindern falsche Ernährungsgewohnheiten abgewöhnen?Belohnen über das Essen, das sollte man nicht tun. Das Kind sollte einbezogen werden, zum Beispiel, indem es mit mir kocht. Das können schon kleine Kinder. Ich höre immer wieder von Eltern, die sagen, mein Kind isst nicht so gern Gemüse, was kann ich tun? Da braucht es viel Geduld. Oft hilft es dann schon, Gemüse mal anders zuzubereiten.

Interview: Claudia Toussaint
ZUR AKTION

Das Förderzentrum der Bernd-Jung-Stiftung bietet am Mittwoch, 4. März, 17 Uhr, mit der Verbraucherzentrale und der Volkshochschule Bobenheim-Roxheim die Veranstaltung für Vorschulkinder und ihre Eltern unter dem Motto „Fühlen wie’s schmeckt“ im Heimatmuseum Bobenheim-Roxheim an. Referentin ist Claudia Zein-Schuld. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung: Telefon 06239 939-1309, im Internet unter der Adresse vhs-rpk.de (Kursnummer E105250B01, Rubrik Gesellschaft).
ZUR PERSON

Claudia Zein-Schuld ist Oecotrophologin. Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet „Haus“ und „Ernährung“. Die Oekotrophologie gibt es seit den 1960ern in Deutschland als Studienfach der Ernährungs- und Haushaltswissenschaften. Die 53-jährige Hessin lebt in Frankenthal und arbeitet als Beraterin in der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen im Fachbereich Lebensmittel und Ernährung.


Quelle und Text: Rheinpfalz Frankenthaler Zeitung , Freitag, den 28. Februar 2020
Foto: DPA

Wir suchen Diplom-Psychologen/innen, Sozialpädagogen/innen, Sozialarbeiter/innen und staatlich anerkannte Erzieher/innen

Die KiDZ-Jugendhilfe gGmbH aus Bobenheim-Roxheim ist ein Träger der freien Jugendhilfe (die Bernd-Jung-Stiftung ist alleiniger Gesellschafter).

Wir suchen für die ambulante Jugendhilfe im Bereich der Sozialpädagogische Familienhilfe §31 SGB VIII und der Erziehungsbeistandschaft §30 SGB VIII Verstärkung für unser Team im Rhein-Pfalz-Kreis, Frankenthal und Worms:

  • Diplom-Psychologen/innen
  • Diplom-Sozialpädagogen/innen
  • Sozialarbeiter/innen
  • Staatlich anerkannte Erzieher/innen

Die Tätigkeitsfelder umfassen:

  • Ambulante Begleitung von Familien nach dem §30 oder §31 SGB VIII
  • Mitwirkung im Hilfeplanverfahren
  • Umsetzung der Hilfeplanung
  • Dokumentation der Arbeit
  • Teilnahme an Teamsitzungen, kollegialer Fallberatung, Supervision
  • Zusammenarbeit mit öffentlichen Behörden, unter anderem dem Jugendamt, der Agentur für Arbeit, verschiedenen Beratungsstellen
  • Selbständiges Arbeiten mit Klienten

Wir bieten Ihnen ein unbefristetes Arbeitsverhältnis in Vollzeit. Sie haben die Möglichkeit, in einem multiprofessionellen Team mitzuarbeiten. Da wir ein junger Träger sind, haben Sie die Chance, eigene Ideen und Vorschläge mit einzubringen und aktiv an der Weiterentwicklung des Konzeptes mitzuwirken. Wöchentliche Teamsitzungen, kollegiale Fallberatung, Supervision sowie Weiterbildungen sind für uns selbstverständlich. Konzeptionell arbeiten wir nach einem systemischen und lebensweltorientierten Ansatz.

Wünschenswert wären Kenntnisse im SGB VIII und erste Erfahrungen in der ambulanten Jugendhilfe, eine Ausbildung in Beratung, z.B. systemischer Beratung oder klientenzentrierter Gesprächsführung oder die Bereitschaft, diese Kenntnisse zu erwerben. Sie sollten eine offene Haltung gegenüber Menschen und deren Lebenssituationen haben. Belastbarkeit, Durchsetzungsvermögen und Zuverlässigkeit sind unabdingbar.

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Dann senden Sie uns bitte Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen an: petra.stoelzle@kidz-jugendhilfe.de  

„Wann bekomme ich einen Pass?“

Bobenheim-Roxheim: Staatsministerin Maria Böhmer im Austausch mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

Von Waltraud Werdelis

Das ehrenamtliche Engagement für die Integration von Flüchtlingen in Bobenheim-Roxheim ist vielfältig. Was manche vielleicht nicht wissen: Neben den Asylbewerbern im Wohnheim im Pfalzring gibt es auch Minderjährige, die allein aus ihrer Heimat geflüchtet sind und für die nicht die Gemeinde, sondern das Jugendamt des Rhein-Pfalz-Kreises zuständig ist. Diese Jugendlichen standen am Freitag im Mittelpunkt des Ortstermins von Staatsministerin Maria Böhmer (CDU).

Das Zentrum für Arbeit und Bildung (ZAB) betreut mehrere Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Frankenthal und Umgebung. Was dort geschieht, ist einfach erklärt: alles, was normalerweise in Familien passiert. Zur Schule oder ins Praktikum gehen, einkaufen, gemeinsam kochen und essen, reden, Ausflüge machen, fernsehen. Das scheint alles ziemlich gut zu funktionieren. Die 17 Jugendlichen, die in den Räumen der Bernd-Jung-Stiftung am Binnendamm in großer Runde mit ihren Helfern und ein paar Politikern sitzen, wirken zumindest sehr motiviert und ausgeglichen.Ob sie in der Heimat rechnen gelernt haben, will die Bundestagsabgeordnete und Mathematiklehrerin Böhmer wissen. Denn selbst wenn die jungen Männer schon ganz gut Deutsch können: Ohne Mathe werden sie ihre Berufswünsche wie Elektriker oder Automechaniker nicht erfüllen können. Altbürgermeister Manfred Gräf (CDU), dessen Stiftung für alltagstaugliche Zusatzstunden im Fach Deutsch sorgt, nickt. Bei allem Lob für den Lernwillen der Migranten muss er doch erschrocken sagen, dass Rechnen in den Schulen der Herkunftsländer offenbar keine große Rolle gespielt hat. Deshalb verknüpfen er, die junge Karolin Lemster und der pensionierte Berufsschullehrer Hans-Joachim Fetz jede Woche ihre Deutschstunden mit Rechenübungen, vorzugsweise zum Thema Einkaufen.

Die freundlichen Jungs aus Afghanistan, Syrien und Somalia kommen freiwillig zu ihnen, bevor sie jeden Dienstag auf dem Gelände des Sportclubs Fußball spielen. Diesen Part der Integrationshilfe übernimmt die Bernd-Jung-Stiftung, indem sie für kompetente Trainer sorgt. Denn in den laufenden Betrieb eines Fußballvereins können die Jugendlichen ohne genügend Ballgeschicklichkeit nicht einfach so einsteigen. Vierter im Bunde ist neben dem ZAB die Volkshochschule, die demnächst auch Workshops für die jungen Leute anbieten will, zum Beispiel zum Thema Handyvertrag.

Maria Böhmer ist am Freitag auf ihrer Tour durch den Wahlkreis auch deshalb nach Bobenheim-Roxheim gekommen, weil sie von den minderjährigen Flüchtlingen hören will, was die Politik bei der Integration noch verbessern kann. Die 17 Jungs wissen nicht so recht, was sie antworten sollen. Etliche strecken auf die Frage, ob sie deutsche Freunde haben, den Finger. Streit zwischen den muslimisch durchaus unterschiedlich geprägten Jugendlichen scheint es auch nicht zu geben, wie Manfred Gräf bestätigt. Als Böhmer nach „dem Interview“ fragt, dem entscheidenden Termin für das Verfahren zur Anerkennung des Flüchtlingsstatus, wirken die meisten bedrückt. Ein syrischer Junge, der in der Mitte der zehnten Klassenstufe in die Realschule plus eingestiegen ist, nimmt den Faden auf und fragt die Staatsministerin, was ihm seine Betreuer vom ZAB nicht sagen können: „Ich habe seit acht Monaten nur eine Duldung, wann bekomme ich einen Pass?“ Leider weiß Böhmer darauf auch keine Antwort, sondern nur, „dass die Anerkennungsverfahren einfach zu lange dauern, weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu wenig Personal hat“. Böhmer entschuldigt sich dafür.

Im Versammlungsraum am Binnendamm ist es mittlerweile sehr stickig geworden. Zeit zum Fußballspielen an der frischen Luft.
                                                                                                                                            

Text und Quelle: Die Rheinpfalz – Frankenthaler Zeitung – Nr. 195, Montag, den 22. August 2016

Naturtalent fürs Organisieren und Finanzieren

Gegenüber: Bernd Jung, ein begnadeter Strippenzieher für den guten Zweck, wird heute 75 Jahre alt – Mitinitiator der Sportvereinsfusion

Von Waltraud Werdelis

BOBENHEIM-ROXHEIM. Bernd Jung – mit diesem Namen verbinden die Bobenheim-Roxheimer einen leidenschaftlichen Sportplatzbauer, die RHEINPFALZ-Leser einen fleißigen Hobbyjournalisten und viele Eltern eine Stiftung, die in der Region ihresgleichen sucht. Am heutigen Samstag wird der Roxheimer, der diesen Namen trägt, 75 Jahre alt.

Sucht man im Pressegespräch anlässlich des Geburtstags den Privatmenschen Bernd Jung, landet man unweigerlich immer wieder bei dem Funktionär. Es scheint, als habe er keine Freizeitbeschäftigung so gern wie das Organisieren und Finanzieren von Projekten, die man unter den Begriff Gemeinwohl stellen könnte.Setzen wir im Jahr 1994 an, als die Fusion dreier Sportvereine vollzogen wurde: SG Bobenheim, SV Roxheim und DJK Roxheim. „Die waren alle drei sportlich gut, aber die jeweilige Führungsriege zu besetzen, war schwierig“, sagt Bernd Jung, der der DJK 1966 mit der Hilfe von in Worms stationierten US-Soldaten zum Sportplatz am Binnendamm und 1971 zu einem Tennenplatz verholfen hatte. Mit SG-Chef Walter Stockert habe er damals über eine Zusammenlegung der Vereine nachgedacht, „und innerhalb weniger Monate haben wir alle Abteilungen von der Idee überzeugen können“. Nur fünf von insgesamt 2200 Mitgliedern seien deswegen ausgetreten. „Dafür sind 100 neu dazugekommen“, sagt Jung, der sich noch gut an die Aufmerksamkeit überregionaler Medien erinnern kann.

Um das Jahr 2000 herum musste der wohlmeinende Strippenzieher im Hintergrund dann wegen eines Rücktritts und eines Todesfalls im Vorstand des neuen Sportclubs (SC) Bobenheim-Roxheim für kurze Zeit in die erste Reihe des Vereins. Da war er zum Glück nach über 30 Jahren nicht mehr als Autor für die Frankenthaler Lokalausgabe der RHEINPFALZ tätig. Denn in dieser Funktion hatte er größten Wert darauf gelegt, Journalismus und Bobenheim-Roxheimer Vereins- und Politikerinteressen nicht zu vermischen, objektiv und unabhängig zu sein.

Das Talent von Bernd Jung, der bis 1997 im kaufmännischen Bereich beim Frankenthaler Pumpen- und Armaturenhersteller KSB gearbeitet hat, war vor wenigen Jahren für den SC wieder äußerst wertvoll, als der Wunsch nach einer Kunstrasenanlage entstand. Bernd Jung sorgte als „Sportplatzbeauftragter“ dafür, dass ein Großfeld, zwei Kleinspielfelder und ein Mehrzweckfeld 2012 mithilfe eines Landeszuschusses fertig wurden, obwohl sich die Kosten wegen eines Entwässerungsproblems auf rund 900.000 Euro summiert hatten. „Der Verein hat uns freie Hand gelassen“, lobt Jung den SC-Vorstand. Mit „uns“ meint er auch „die zwei Praktiker“ Artur Hiebel und Werner Wandel. Aktuell habe der Sportclub wegen der Anlage gerade mal noch 50.000 Euro Schulden.

Das alles wäre vielleicht nicht so reibungslos verlaufen, wenn Bernd Jung nicht 290.000 Euro zwischenfinanziert hätte. Und zwar als Vorsitzender der nach ihm benannten Stiftung. Die hat er gegründet, nachdem 1996 die Gäste einer Geburtstagsfeier Kleingeld in einen Spendenkorb gelegt hatten, rund 350 D-Mark. „Das sollte ich für die Jugendarbeit verwenden, was ich natürlich nicht gemacht habe“, sagt Jung schmunzelnd. Stattdessen suchte er Firmensponsoren und private Spender, die den Betrag stetig aufstockten. „Als ich 2003 so um die 50.000 D-Mark zusammen hatte, wurde die Stiftung gegründet“, berichtet der Roxheimer.

Deren Zweck ist die sportliche Förderung der Vereinsjugend des SC Bobenheim-Roxheim. Aber die Stiftung, deren unantastbares Kapital heute mehrere Hunderttausend Euro beträgt und die inzwischen hauptamtlich von Harald Stark geleitet wird, unterhält auch ein Förderzentrum für Jugend und Soziales, das sich allgemein um die Förderung von Kindern und Jugendlichen in Sport, Schule, Lebensumfeld und Ausbildung bemüht (wir berichteten). Das Zentrum wurde im vergangenen Jahr mit dem Titel „Pilotprojekt“ von der Landesregierung geadelt und ist ein Beispiel für professionelles Netzwerken. Vom Arbeiter-Samariter-Bund über die Ballschule der Uni Heidelberg bis zur Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat die Stiftung zahlreiche Kooperationspartner, die nach dem Win-win-Prinzip in Bobenheim-Roxheim Kurs- und Freizeitangebote für Familien machen. Und die würden sehr gut angenommen, sagt der mit zahlreichen Ehrungen bedachte Senior. Sogar aus Rostock seien schon Anmeldungen für Kurse eingegangen.

Wie Bernd Jung die wundersame Geldvermehrung geschafft hat, was es für ihn bedeutete, in jungen Jahren wegen eines Hüftleidens den Fußballsport aufgegeben oder aus finanziellen Gründen kein Abitur gemacht zu haben: All diese Fragen müssen an dieser Stelle unbeantwortet bleiben, denn es stellt sich am 75. Geburtstag heute noch die Frage nach seiner Familie und den ganz persönlichen Beschäftigungen. „Ich bin seit 52 Jahren mit meiner Frau Gerlinde verheiratet, habe eine Tochter und einen Sohn sowie zwei Enkelkinder, die zur Feier im kleinen Kreis kommen“, verrät Bernd Jung. Urlaub macht er zwei- bis dreimal im Jahr, aber nicht in fernen Ländern, am liebsten an der Ostsee. Der Garten wird gerade altersgerecht umgestaltet („Aber der Fischteich, der bleibt“), und ein Buch über Bobenheim-Roxheim seit der Fusion 1968 ist in Arbeit. Ansonsten ist da noch das aus Lebenserfahrung erwachsene Motto von Bernd Jung: „Von Leuten, die alles besser wissen, aber nichts tun, halte ich mich fern.“

                                                                                                                                                  

Quelle: Die Rheinpfalz – Frankenthaler Zeitung – Nr. 26 Samstag, den 31. Januar 2015

WEGA Werbeagentur: Neuer strategischer Partner der Bernd-Jung-Stiftung

WEGA MannheimDie Bernd-Jung-Stiftung konnte einen neuen strategischen Partner gewinnen: Die WEGA Werbeagentur aus Mannheim wird in Zukunft die Entwicklung der Stiftung im Bereich Marketing und Werbung begleiten und ihre umfassenden Leistungen kommunikativ aufbereiten. Die Entscheidung für WEGA fiel aufgrund der langjährigen Erfahrung der Agentur mit sozialen Organisationen und Projekten.

Kern der Zusammenarbeit wird es sein, die enorme Bandbreite der Leistungen von Stiftung und Stiftungspartnern in der Öffentlichkeit darzustellen und ihre Einzigartigkeit zu dokumentieren. Auch wird der vielfältige Nutzen für die Gesellschaft, für Städte und Gemeinden, die Vereine und vor allem für Kinder und Jugendliche und deren Familien im Fokus der Kommunikationsarbeit stehen. Eine weitere wichtige Aufgabe der Agentur wird es sein, weitere Sponsoren für die Stiftung zu aktivieren, indem der Nutzen der Stiftung für die Sponsoren deutlich herausgearbeitet wird.

 

Alle sollen profitieren

WIR SIND FAMILIE: Seit fünf Jahren fördert die Bernd-Jung-Stiftung Kinder und Jugendliche durch sportliche und soziale Angebote. Ohne viel Aufhebens, aber ziemlich professionell verfolgen die Gründer ein cleveres Konzept, das auch den Vereinen nützt.

Seit Kurzem gilt das Förderzentrum als Pilotprojekt im Land, der Innen-und Sportminister ist Schirmherr.

BOBENHEIM-ROXHEIM. „Im Mai haben wir Kontakt mit dem Ministerium aufgenommen“, berichtet Harald Stark, der gemeinsam mit Johannes Müller das Förderzentrum leitet. Dessen Konzept mit den Schwerpunkten Sport, Behindertensport und Gewaltprävention sei in Mainz intensiv geprüft worden, bevor Minister Roger Lewentz (SPD) zugestimmt habe, seinen Namen dafür herzugeben. Bei der Prüfung habe sich wohl ergeben, dass das Förderzentrum landesweit einmalig oder zumindest selten sei. Von einem „Pilotprojekt in Rheinland- Pfalz“ spricht Bernd Jung, dessen 1996 gegründete Stiftung das Förderzentrum trägt und finanziert. „Wir freuen uns, dass wir den Minister nachhaltig als Paten gewinnen konnten.“ Der 74-Jährige empfindet das nach nur fünf Jahren, in denen das Projekt existiert, als große Auszeichnung.

Ob es darum geht, Kinder in die Vereine zu bringen, sportliche Talente zu entdecken, schulische Leistungen zu verbessern oder der Gewalt vorzubeugen  –  das  Förderzentrum Jugend und Soziales in Bobenheim-Roxheim arbeitet vielfältig und vor allem effizient. Es sucht sich kompetente Vertragspartner wie Vereine und Verbände und vermittelt deren Angebote an andere Vereine, an Kindergärten und Schulen.

Die Heidelberger Ballschule beispielsweise bringt am Stützpunkt Bobenheim-Roxheim, auf dem Geländedes Sportclubs (SC), wöchentlich zahlreiche Kinder in Bewegung (wir berichteten im Juli 2011). Die Landesverbraucherzentrale kommt regelmäßig zum Förderzentrum am Binnendamm, um Familien bei der gesunden Ernährung zu unterstützen. Ein in Worms und Frankenthal ansässiges Lernstudio steht im Namen des Förderzentrums für Hausaufgabenhilfe zur Verfügung, der ASB Frankenthal lehrt Erste Hilfe am Kind und der Bobenheim-Roxheimer Schachclub lässt Kinder ins Spiel der Könige hineinschnuppern.

Starke  Nachfrage registrieren Bernd Jung und Harald Stark an den Kursen des Bundesverbands Selbst- bewusst & Stark zur Gewaltprävention. Sie sprechen von ausgebuchten Seminaren und Wartelisten. Der im Norden von Rheinland-Pfalz ansässige Verein zeigt nicht nur Kindern, wie man sich ohne Gewalt selbst behauptet, sondern bildet auch Erwachsene als Anti-Aggressionstrainer aus. „Wer diese Ausbildung über unser Förderzentrum macht, spart einen großen Teil der Kursgebühr“, nennt Harald Stark ein Beispiel dafür, worin für die Teilnehmer der Vorteil liegt, wenn sie das Netzwerk der Stiftung nutzen. Eine der jüngsten Kooperationen ist die mit dem Behindertensportverein Frankenthal, dem die Helfer um Bernd Jung Sportstätten vermitteln. Derzeit in Planung sind Kooperationen, die das Spektrum des Förderzentrums um Babymassage und um Hilfen für Leukämie- und Tumorkranke erweitern.

Das Grundprinzip des Bobenheim-Roxheimer Projekts lautet: „Alle profitieren.“ Die Familien, die eine große Bandbreite an sinnvollen, oft kostenlosen Angeboten bekommen, und die Anbieter, weil ihnen eine zusätzliche Plattform für ihre Arbeit bereitgetellt wird. So mancher Verein habe durch die Veranstaltungen des Förderzentrums schon neue Mitglieder oder ehrenamtliche Helfer bekommen, berichten Bernd Jung und Harald Stark. Bedauerlich finden es beide, dass sozial schwache Familien die Angebote wenig nutzen.

Am engsten ist die Stiftung mit dem SC Bobenheim-Roxheim verbunden, dessen Namen sie bisher trug. „Es gab da aber immer wieder Verwechslungen und Irritationen“, erklärt Stark, warum kürzlich die Um- benennung in Bernd-Jung-Stiftung erfolgte. „Außerdem würdigen wir damit das Lebenswerk von Bernd Jung.“ Dem rüstigen Rentner liegen nicht nur der Sportclub und das Wohl der Jugend am Herzen, er hat auch ein gutes Händchen fürs Finanzielle: Das Stiftungskapital von ursprünglich 300 D-Mark  sei mittlerweile  auf 560.000 Euro angewachsen, sagt er. Am 1. Juni soll das fünfjährige Bestehen des Förderzentrums mit Sport, Tanz und Musik groß gefeiert werden. Benny Kieckhäben, Teilnehmer der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“, hat einen Auftritt mit seinem Gitarristen zugesagt. Außerdem sind ein Gewinnspiel und eine Typi- sierungsaktion zugunsten Leukämiekranker geplant. (ww)

INFO Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.bernd-jung-stiftung.de. Das Förderzentrum Jugend und Soziales sucht Ehrenamtliche, die bei der Organisation und der praktischen Umsetzung von Kursen vor Ort helfen. Kontakt: Telefon 06239 995696 oder E-Mail info@bernd-jung-stiftung.de.


Quelle: Die Rheinpfalz, Ausgabe 72, 26. März 2014

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